Wie Kinder selbstständig spielen lernen

Jenny

Schon Babys können sich alleine beschäftigen. Es tut ihnen gut. Mit diesen Tipps fördert ihr das selbstständige Spiel.

Wie kostbar sind diese Momente, in denen sich euer Kind ganz versunken alleine beschäftigt! Man könnte es fast Luxus nennen. Ihr habt Zeit, in Ruhe eine Tasse Kaffee zu trinken, die Mails zu lesen oder kurz die Spülmaschine auszuräumen. Und euer Kind hat Spaß beim Spielen. Tatsächlich sind solche Situationen nicht nur ein Gewinn für euch, sondern ebenso für euer Kind. Ihr braucht also kein schlechtes Gewissen zu haben, dass ihr euch gerade nicht um den lieben Nachwuchs kümmert. Ihr tut ihm gut damit!

„Eltern sind keine Animateure, und kein Kind muss pausenlos bespaßt werden“, sagt die Pädagogik-Professorin Dorothee Gutknecht. „Kinder können und sollten auch alleine spielen.“ Das gilt schon für Babys. Zumindest für kurze Zeit solltet ihr sie alleine spielen lassen und ihnen so den Raum für eigene Entdeckungen geben. „Sie liegen auf einer Decke, erkunden Hände und Füße“, sagt Gutknecht. „Sie brauchen dafür die Nähe einer vertrauten Person: Mama oder Papa sind mit im Raum.“

 

Alleine spielen macht selbstbewusst

Ihr könnt das selbstständige Spielen von Anfang an unterstützen. Euer Kind entwickelt so Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, wird selbstbewusst und kreativ. Das ist später in der Schule und im Erwachsenenleben auf jeden Fall sehr hilfreich. Wer nie gelernt hat, sich selbst zu beschäftigen, wird sich schnell langweilen, immer der nächsten Erfahrung hinterherjagen und auf Bespaßung von außen angewiesen sein. Wie also lernt euer Kind, alleine zu spielen? Hier sind die wichtigsten Tipps:

 

Einfach mal machen lassen

Die oberste Regel lautet: Wenn euer Baby oder Kleinkind gerade in eine Beschäftigung versunken ist, stört es dabei nicht. Ihr braucht ihm dann keine Spielanregungen zuzurufen oder euch danebenzusetzen. Und wenn das Spiel zum Erliegen kommt, genügen oft winzige Impulse, um es wieder neu zu entflammen. Übrigens: Wenn mal etwas nicht klappt und euer Kind frustriert zu weinen anfängt, springt nicht sofort herbei. Lasst es zuerst versuchen, selbst eine Lösung zu finden.

 

In der Nähe sein, aber nicht mitspielen

Wenn euch euer Kind nicht gehen lassen möchte, spielt anfangs parallel neben ihm. Sobald es in sein Spiel eingetaucht ist, könnt ihr euch einer anderen Tätigkeit zuwenden. Es hilft aber, wenn ihr in Sichtweite bleibt, damit sich euer Kind sicher fühlt.

 

Eine anregende Umgebung schaffen

Wichtig ist eine reizvolle Umgebung, die eurem Kind Anregungen bietet. Das heißt nicht, dass ihr das Zimmer mit Spielsachen überladen sollt. Im Gegenteil. Oft sind Kinder davon überfordert und langweilen sich dann schneller, weil sie nirgendwo einen tieferen Zugang finden. Wenige, ausgewählte Spielsachen sind völlig ausreichend.

 

Das richtige Spielzeug für jedes Alter

Ihr könnt euer Baby zum Beispiel auf eine Aktivdecke legen und es darauf selbstständig die lustigen Knisterbäume und Spiegel erkunden lassen. Praktisch für Babys ist auch spezielles Lernspielzeug, das mit verschiedenen Funktionen immer wieder neu überrascht. Babys können sich damit eine ganze Weile lang beschäftigen. Generell gilt: Unter einem Jahr spielen Kinder gerne mit Rasseln, verschiedenen Greiflingen, Beißringen oder Spielbögen.

Ab einem Jahr werden süße Kuscheltiere und Puppen interessanter, aber auch Bauklötze und vor allem Haushaltsgegenstände. Die habt ihr immer zur Verfügung und euer Kind findet sie schon deshalb spannend, weil es euch damit im Alltag sieht. Es ist faszinierend, wie sich ein Kleinkind zwanzig Minuten lang mit einem Holzlöffel beschäftigen kann.

Ab zwei Jahren tauchen die Kinder immer mehr in Rollenspiele ein. Jetzt könnt ihr auch ein paar Handpuppen oder Fingerpuppen hinlegen, mit denen es eigene Geschichten spielen kann. Ein richtiges Kasperle-Theater wird aber erst ab drei Jahren möglich sein.

 

Loben und kreativ sein

Zu guter Letzt: Lobt euer Kind ruhig, wenn es eine Weile schön alleine gespielt hat. Zeigt ihm, dass das etwas Positives ist, worüber man sich freuen kann. Und bei allen Bemühungen, die Selbstständigkeit eures Kindes zu fördern, vergesst nicht, dass gemeinsames Spielen auch wunderschön sein kann. Zum Spielen gehört nämlich nicht nur, auf dem Boden hockend immer wieder denselben Turm aufzubauen. Sondern ihr könnt zusammen im Wald Blätter entdecken, Häuschen aus Moos bauen, Wolkenbilder suchen oder eine Burg aus alten Kartons errichten. All das ist Spiel. Und macht mächtig Spaß.