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Wie Kangarooing Babys auf dem Weg in die Welt hilft

sigikid

Nackt kuscheln – und zwar stundenlang. Das tut nicht nur Frühchen gut, sondern beschleunigt auch bei anderen Babys die Entwicklung.

Das Baby ist da, sein Herzchen rast vom Stress der Geburt. Stellt euch vor, wie es ihm jetzt gehen muss: Plötzlich ist alles laut, grell, kalt und überfordernd. Was hilft diesem süßen Wesen am besten, um in der Welt anzukommen? Viel Berührung mit nackter Haut. Der direkte Hautkontakt mit Mama oder Papa ist ein wahres Wundermittel. Gekuschelt und gehalten werden, und zwar am besten Haut an Haut, tut Neugeborenen unglaublich gut.

Bei Frühgeburten ist das bereits eine bewährte medizinische Methode, die als Kangarooing bezeichnet wird. Mama oder Papa tragen ihr Neugeborenes wie ein Känguru sein Junges dicht bei sich am Körper, in direktem Haut-zu-Haut-Kontakt.

 

Hautkontakt bewirkt viel Gutes

Langzeitstudien haben ergeben, dass Frühchen noch Jahrzehnte später emotional und gesundheitlich davon profitieren. Einige Frühchen-Stationen setzen deshalb sogar ehrenamtliche Schmuse-Paten ein.

Aber auch allen anderen Babys tut es gut, wenn sie nach der Geburt und in den ersten Lebenswochen möglichst oft längeren Hautkontakt haben. Eine Meta-Studie des amerikanischen Crochane Center zählt die wichtigsten Argumente dafür auf: Der frühzeitige Hautkontakt stabilisiert den Herzschlag, die Körpertemperatur und den Blutzuckerspiegel der Neugeborenen. Sie weinen weniger. Und das Stillen klappt besser, weil die Milchproduktion angekurbelt wird.

 

Kleidung dämpft die positiven Wirkungen des Kuschelns

Interessant ist, dass es tatsächlich einen Unterschied macht, ob die Babys nackt mit ihren Müttern kuscheln, oder bekleidet. Das hat eine russisch-schwedische Forschungskooperation gezeigt. Eine Gruppe Mütter bekam ihr nacktes Neugeborenes auf die Brust gelegt. In der zweiten Gruppe waren die Babys angezogen. In der dritten Gruppe wurden sie nach der Geburt einige Stunden von ihren Müttern getrennt. Die Babys mit Hautkontakt hatten das niedrigste Stressniveau, die getrennten Kinder das höchste. Die Kinder mit bekleidetem Kontakt lagen dazwischen. Kleidung ist also eine Barriere, sie dämpft die positiven Auswirkungen des Kuschelns.

 

Kangarooing zu Hause beschleunigt die Entwicklung

Wer die Känguru-Methode auch noch zu Hause anwendet, unterstützt die Entwicklung seines Babys enorm – neurologisch, sozial und motorisch. Eine kanadische Studie teilte die Mütter von gesunden Neugeborenen in zwei Gruppen. Die erste Gruppe hielt in der ersten Woche nach der Geburt täglich etwa fünf Stunden lang Hautkontakt zum Baby, danach noch mindestens zwei Stunden täglich bis es einen Monat alt war. Die Kontrollgruppe hatte wenig bis keinen Hautkontakt.

Die Babys mit Hautkontakt zeigten eine beschleunigte sozial-emotionale Entwicklung. In einem bewährten psychologischen Test, waren sie mit drei Monaten ihren Altersgenossen ohne Hautkontakt mindestens einen Monat in der Entwicklung voraus.

 

Eine aus der Not geborene Methode

Wenn ihr euch jetzt fragt, wie es gehen soll, dass ihr stundenlang nackt mit eurem Baby kuschelt: Schnallt es euch einfach in einer Trage unter einem weiten Pullover an euren Körper. Oder benutzt ein Wickeltuch, mit dem ihr euer Baby an euch bindet. Letztlich ist die Känguru-Methode auf eine ähnliche Weise entstanden: Weil kolumbianischen Ärzten die nötigen Brutkästen fehlten, wickelten sie den Müttern ihre Frühchen auf die nackte Brust, um sie warm zu halten. Die Ärzte waren überrascht, wie viele Babys überlebten und sich prächtig entwickelten – auch ohne moderne Technik. Mittlerweile wird das Kangarooing weltweit so oft wie möglich als Alternative zum Brutkasten angewandt. Denn keine Maschine kann Mamas heilsame Nähe ersetzen.

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