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Wie Babys mit uns sprechen: Das kleine Einmalseins der Körpersprache

Jenny

Wenn Eltern die Körpersprache ihres Säuglings richtig deuten, sind beide Seiten glücklich. Wir erklären, welche Signale Babys am häufigsten senden und was sie bedeuten können.

Was für ein Wunder: Nach neun Monaten Schwangerschaft erblickt ein winziger Mensch das Licht der Welt! Nun beginnt eine aufregende und prägende Zeit, in der euer Baby und ihr euch kennenlernt und eine tiefe Bindung zueinander aufbaut. Euer Neuankömmling verständigt sich dabei über Körpersprache, Mimik und Laute. Erstaunlich ist, dass die Mimik als eine universelle Sprache in allen Kulturkreisen gleich ist. Auch Menschen, die von Geburt an blind sind, zeigen eine identische Mimik bei den sogenannten Basisemotionen wie Trauer, Ärger, Ekel, Angst, Überraschung und Freude.

So wie jeder Mensch von Natur aus die Fähigkeit besitzt, die Mimik von Säuglingen zu lesen, so sind auch Babys in der Lage, die Mimik anderer als Signale für Stimmungen und Gefühle zu deuten. Deshalb könnt ihr darauf vertrauen, dass ihr die Gefühle und Bedürfnisse eures Kindes erkennt, wenn ihr aufmerksam seid.

 

Typische Verhaltensweisen im Überblick:

 

Brabbeln und Quengeln

Gibt euer Baby glucksende Töne von sich oder brabbelt vor sich hin, kann das in Verbindung mit einem aufmerksamen Blick, Ausdruck von Neugier sein. Vielleicht hat euer Schatz etwas Spannendes entdeckt oder er will euch von seinen Entdeckungen erzählen. Wenn ihr darauf achtet, wo die Augen eures Babys hinschauen, könnt ihr es herausfinden. Bei tiefen und drängenden Lauten, bahnt sich Hunger, Unruhe oder Unzufriedenheit an. Ein nörglig klingendes Quengeln ist oft ein Hinweis auf Müdigkeit.

Schreien und Überstrecken

Hohes und schrilles Schreien deutet auf Schmerzen oder Erschrecken hin. Wenn sich euer Kind dazu noch überstreckt, hat es ganz sicher Schmerzen. Manchmal wölben Säuglinge während oder nach dem Trinken ihren Rücken ohne zu schreien. Damit wollen sie euch zeigen, dass sie noch oder schon wieder hungrig sind. Es kann aber auch auf Sodbrennen hinweisen, das entsteht, wenn bei eurem Baby der Schließmuskel zum Magen noch nicht richtig funktioniert und Mageninhalt wegen der Schieflage beim Stillen oder Füttern zurück in die Speiseröhre läuft. Das Krümmen des Rückens stoppt den Reflex und verschafft eurem kleinen Liebling Erleichterung.

Schreien und Beine anziehen

Das Anziehen der Beine ist ein typisches Zeichen dafür, dass euer Baby Bauchweh hat. Da sich der Darm eures Säuglings erst an Muttermilch oder Fläschchennahrung gewöhnen muss, kommt es gerade in den ersten Monaten oft zu Blähungen oder Verstopfung. Probiert doch mal, ob euer Schatz aufstoßen muss, massiert ihm den Bauch oder nehmt euer Baby in den Fliegergriff. So könnt ihr Bauchweh oftmals lindern.

Lächeln und Lachen

Lächeln bedeutet, dass euer Baby müde ist – ha, ha, ha – nein, natürlich ist euer Sonnenschein glücklich und fühlt sich wohl. Genießt den Moment und lacht einfach mit. Babys lächeln auch mal ohne ersichtlichen Grund. Das sogenannte Engelslächeln während des Schlafs in den ersten Lebenswochen ist Folge einer noch unbewussten Muskelbewegung. Das erste soziale Lächeln als Reaktion auf etwas oder jemanden, zeigen Babys etwa ab der sechsten Lebenswoche.

Augenkontakt

Beim Blickkontakt zwischen euch und eurem Baby entsteht eine emotionale Verbindung. Manchmal vermeidet euer Baby aber auch den Augenkontakt. Runzelt es dabei die Stirn, ist das ein deutliches Zeichen für Unbehagen, dann braucht euer Schatz eine Pause. Augenreiben kann mehrere Bedeutungen haben. Verbunden mit Gähnen und den Kopf hin und her drehen, bedeutet es Müdigkeit. Hat euer kleiner Liebling aber ausgeschlafen und greift sich trotzdem häufig ans Auge, kann das auf eine Bindehautentzündung hinweisen. Schaut euch die Augen genau an und geht bei geröteten oder verklebten Augen zum Arzt. Bei einem fröhlichen Kind kann das Bedecken der Augen auch eine Aufforderung zum Versteckspielen sein. Stellt euer Baby grundsätzlich keinen Augenkontakt her, dann solltet ihr das unbedingt beim Kinderarzt ansprechen.

Zusammengekniffenes Gesicht

Legt euer Baby sein Gesicht in Falten, hat es Schmerzen. Schreit es anhaltend und schrill und hat dazu ein blasses oder hochrotes Gesicht und schwitzt, ist es vermutlich krank. Kränkliche Babys jammern manchmal auch nur schwach vor sich hin. Verhält sich euer Baby anders als sonst und lässt sich kaum beruhigen, solltet ihr sicherheitshalber zum Kinderarzt gehen.

Hand am Ohr

Der Griff zum Ohr kann mehrere Dinge bedeuten. Hat euer Baby Begleitsymptome, wie zum Beispiel Fieber, kann es auf eine Mittelohrentzündung hinweisen. Das Reiben am Ohr ist aber auch eine Geste der Selbstberuhigung. Viele Babys schrauben regelrecht am Ohr, wenn sie müde sind. Vielleicht hat euer kleiner Liebling aber auch gerade sein Ohr entdeckt und möchte es einfach befühlen. Wenn euer Baby sehr gestresst wirkt, kann der Griff zum Ohr auch Überforderung signalisieren. Gönnt eurem Kind dann einfach etwas Ruhe und Geborgenheit.

Kopf wegdrehen

Wenn euer Kleines den Kopf wegdreht, ist es wahrscheinlich gerade zu vielen Reizen ausgesetzt und braucht eine Pause. Oder es passiert woanders etwas Spannendes, zum Beispiel weil das Geschwisterkind etwas macht.

An der Hand nuckeln

Wirft euer Baby suchend das Köpfchen hin und her und nuckelt dabei an der Hand, hat es Hunger. Ist die letzte Mahlzeit aber weniger als zweieinhalb Stunden her und hält das Baby das Köpfchen normal, ist das Nuckeln eine Form der Selbstberuhigung, wie auch das Nuckeln am Daumen, am Schnuller oder an der Brust. Vermutlich ist euer Baby müde. Viele Babys nuckeln sich in den Schlaf. Hat euer Kind etwas Aufregendes erlebt, kann das ebenfalls Anlass sein, sich durch Nuckeln zu beruhigen.

Strampeln

Wenn euer Baby strampelt, ist die Gesamtsituation zu beurteilen. Ist das Strampeln von wedelnden Armen und einem Jauchzen begleitet, dann zeigt euer Schatz Lebensfreude und möchte eure ganze Aufmerksamkeit. Ist euer Baby stattdessen quengelig und körperlich unruhig, dann fühlt es sich durch etwas gestört oder kann auch müde sein. Nicht immer muss das Strampeln aber überhaupt etwas bedeuten. Viele Babys strampeln auch einfach nur so, weil sie es eben können und trainieren dabei ihre Bauchmuskeln.

Rhythmische Wiederholungen

Rhythmische Wiederholungen schenken eurem Baby Sicherheit und beruhigen es. Dazu neigen die Kleinen gerade bei Stress und Überforderung. Das braucht euch keine Sorgen zu bereiten. Wenn sich allerdings ein „Tick“ entwickelt, der euer Baby in irgendeiner Art einschränkt oder es gefährdet, solltet ihr das vorsichtshalber von einem Arzt abklären lassen.

 

Und noch ein Hinweis:

Auch wenn euer Baby selbst noch nicht sprechen kann, heißt das nicht, dass ihr nicht mit ihm sprechen sollt, im Gegenteil! Euer Baby genießt es, eure Stimme und euren Singsang zu hören. Es registriert, ob ihr gestresst oder entspannt seid. Sprecht und singt von Geburt an viel mit eurem Kind, umso schneller wird es lernen euch zu verstehen. Kommentiert Mimik und Gestik eures Babys und geht auf seine Laute ein. „Da freust du dich aber!“ „Oh, du weinst, das war dir zu laut!“ Mit euren Worten helft ihr eurem Schatz auch, sich selbst zu verstehen.