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Wer kuschelt, geht positiver in die Welt

Jenny

Tabea Wolf hat mit ihrem Mann Jeremias das Kinderbuch „Wie das Kuscheln erfunden wurde“ geschrieben. Im Interview spricht sie über die wunderbare Nähe beim Vorlesen, die positive Kraft der Berührung und einen besonderen Weltrekord.

 

Tabea, wieso habt ihr ein Buch über das Kuscheln geschrieben?

Das haben wir ganz intuitiv gewählt. Als wir beschlossen hatten, ein eigenes Kinderbuch zu schreiben, war uns schnell klar, dass es ums Kuscheln gehen soll. Wir wollten etwas Positives erzählen und positive Gefühle hinterlassen. Kuscheln ist etwas so Schönes, es tut einfach gut. Das Thema passt auch zu der besonderen Lesesituation, die Kinderbücher mit sich bringen. Sie werden vorgelesen, oftmals im Bett und mit einer ganz besonderen Nähe. Unsere Intention war es, eine liebevolle Geschichte zu erzählen, die inspiriert und bestenfalls zum Nachmachen anregt. Denn wir alle sollten viel öfter kuscheln.

Worum geht es in der Geschichte?

Waschbär und Murmeltier sind beste Freunde. Sie lieben es, draußen zu spielen und wild zu sein. Aber als der Winter kommt, müssen sie in eine enge Höhle ziehen. Das finden sie langweilig. Es ist eine kleine Metapher auf den Kinderalltag – Kinder wollen meistens auch nicht ins Bett, sondern lieber noch toben. Weil der Waschbär so bedrückt ist, fängt das Murmeltier an, ihn aufzumuntern: Nasenspitze an Nasenspitze reiben, kraulen, über den Kopf streichen. So erfindet das Murmeltier das Kuscheln.

Wie waren die Reaktionen auf das Buch?

Die Kinder sind begeistert. Viele können es auswendig, obwohl es nicht in klassischer Reimform gehalten ist. Sie haben auch Spaß daran, Details in den Bildern zu entdecken. Aber vor allem mögen sie es, die Szene, in der das Kuscheln erfunden wird, selbst nachzuspielen und während des Vorlesens mitzumachen.

Ihr habt selbst ein kleines Kind. Welche Rolle spielt Kuscheln in eurer Familie?

Kuscheln ist in allen Beziehungen total wichtig. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Kuscheln positiv auf unsere Gesundheit wirkt. Für Frühchen ist Kuscheln lebensnotwendig und es gibt Studien, die nahelegen, dass Kinder durch körperliche Nähe schneller wachsen. Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan, sie hat die meisten Rezeptoren. Beim Kuscheln werden Oxytocin und Serotonin ausgeschüttet, die für Glücksgefühle sorgen und Stress abbauen. Man kann es so zusammenfassen: Stress und Ängste bringen oft die negativen Seiten in uns Menschen hervor. Doch wenn wir kuscheln, wird das aufgelöst und wir gehen viel positiver in die Welt. Es ist, als hätten wir eine rosarote Brille auf. Wir sind fröhlichere Menschen.

Ihr habt auch einen Weltrekordversuch im Kuscheln organisiert. Im Berliner Kaufhaus Dussmann kamen 61 Kinder aus 41 Nationen zu einer Gruppenumarmung zusammen. Warum war euch das wichtig?

Es war eine Idee, die uns im Zusammenhang mit dem Weltkuscheltag kam, der im Februar stattfindet. Es gab bereits Menschen, die einen Rekord aufgestellt hatten, indem sie sich als Paar möglichst lange in einer Umarmung hielten. Wir wollten eine Aktion für Kinder machen. Im Alltag in der Krippe oder im Kindergarten ist es berührend zu sehen, wie lieb Kinder miteinander umgehen. Sie kuscheln ganz unvoreingenommen und denken sich nichts dabei. In so einer internationalen Stadt wie Berlin war es naheliegend, Kinder mit ganz verschiedenen kulturellen Hintergründen einzuladen. Die Teilnahme an dem Weltrekordversuch war für alle ein besonderes Erlebnis. Es kamen Kinder aus verschiedenen Ländern von Spanien bis China in ihren Nationalkleidungen und alle im Alter zwischen 1 und 16 Jahren.

Welche Reaktionen habt ihr beobachtet, als sich alle umarmten?

Es war ein magischer Moment. Allein durch die Größe der Gruppe und das bunte Durcheinander der verschiedenen Kleidungsstile war es ein beeindruckender Anblick. Der Moment selbst ging ganz schnell vorbei. Das Besondere war aber eigentlich der ganze Tag, den alle gemeinsam verbracht haben. Es gab bedruckte Luftballons, eine Lesung aus unserem Buch und viele fanden einfach die Idee so schön und genossen es, dabei zu sein.

Habt ihr es geschafft, ins Guinnessbuch zu kommen?

Wir haben geschafft, was wir uns vorgenommen haben. Auf den Eintrag ins Guinnessbuch haben wir verzichtet – da waren uns die Anforderungen zu streng. Die Kinder hätten alle in einem ordentlichen Kreis stehen müssen, keines in zweiter Reihe, und die Eltern hätten aus der Entfernung hinter einem Absperrband zusehen müssen. Und das bei teilweise erst ein- oder zweijährigen Kindern! Das war es uns nicht wert. Wir haben gesagt, es geht uns nicht um den Eintrag, sondern um das Erlebnis.

Ist es dieser Kuschelmoment, den es beim Vorlesen gibt, der euch zum Bücherschreiben animiert?

Uns geht es um die gemeinsame Interaktion. Die Eltern nehmen sich Zeit, sich ganz auf ihre Kinder zu fokussieren, das ist ein sehr wertvoller Moment. In unserem neuen Buch, das Anfang August erschienen ist, geht es um Freundschaft. Ebenfalls ein Thema, das viel mit Nähe und Vertrauen zu tun hat und das Kinder im Kindergartenalter sehr beschäftigt. Es ist das dritte Buch mit Murmeltier und Waschbär, der Titel lautet „Allerallerbeste Freunde“. Übrigens ist uns auch die Interaktion mit unseren Lesern wichtig. Über die sozialen Medien pflegen wir einen ganz direkten Draht zu ihnen und freuen uns immer über Feedback.

 

Über die Interviewpartnerin:

Tabea Wolf verfasst gemeinsam mit ihrem Mann Jeremias Kinderbücher über Liebe, Mut und Glück. Sie malt die Bilder, er schreibt die Texte. Mit „Wie das Kuscheln erfunden wurde“ und „Wir sind die Familienbande“ schrieb das Autorenpaar bereits zwei beliebte Kinderbücher. Gerade erschien ihr drittes Buch. Einen Blick ins Buch werfen und versandkostenfrei bestellen könnt ihr hier: www.jeremiasundtabea.de