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Warum Singen Kinder glücklich macht

Verena

Singen hebt die Stimmung für den ganzen Tag und wirkt sich positiv auf die Gesundheit von Kindern aus. Gemeinsames Singen in der Kita oder Familie fördert außerdem die Gemeinschaft.

Die Wahrnehmung von Musik scheint biologisch verankert zu sein. Bereits Babys erfassen instinktiv harmonische und disharmonische Klänge und verfügen bis zum Zeitpunkt des Spracherwerbs über das absolute Gehör. Eltern auf der ganzen Welt singen ihren Kindern Gutenachtlieder vor, denn Gesang senkt den Stresshormonspiegel deutlich stärker als beruhigende Worte.
Singen wirkt sich heilsam und gesundheitsfördernd auf Körper, Geist und Seele aus – besonders, wenn wir Freude dabei empfinden. Wissenschaftler belegen, dass Singen gut für Herz, Lunge und Immunsystem ist. Um diese positiven Effekte auszulösen, müssen glücklicherweise weder ihr noch eure Kinder Gesangs-Profis sein. Gerade der Advent bietet viele Gelegenheiten, mit euren Liebsten Weihnachtslieder zu singen.

Warum gemeinsames Singen eine schöne Möglichkeit ist, die Bindung zwischen euch und eurem Kind zu intensivieren, erzählt uns Anja Reimann im sigikid-Interview. Anja arbeitet seit 20 Jahren als Erzieherin mit Kindern zwischen einem und sechs Jahren. Das gemeinsame Singen ist ein fester Bestandteil ihres Kita- und Familienlebens.

 

Singen ist Zuwendung

 

Anja, beim täglichen Morgenkreis in der Kita singst du mit den Kindern und spielst dazu Gitarre. Was macht das mit den Kindern und was mit dir?

Singen ist für mich das Wichtigste als Start in den Tag beim Morgenkreis. Es fördert die Gemeinschaft, denn Singen verbindet. Es bedeutet, sich zu begegnen. Man muss sich aufeinander einstimmen, alle mit einer Stimme. Wenn man durcheinandersingt, ist das nicht harmonisch. Ich erlebe immer wieder, dass Singen die Stimmung für den ganzen Tag hebt, ganz anders etwa, als wenn man sich nur Hallo sagt. Die Kinder starten mit einem schönen, gemeinsamen Erlebnis in den Tag und das bedeutet auch, dass die Gruppe dadurch gestärkt und in Kontakt ist. Gerade bei einer altersgemischten Gruppe hilft gemeinsames Singen. Die Großen kennen die Lieder, bringen sich ein und animieren vielleicht auch die Kleinen mitzumachen. Die Kleinen können nachahmen und weil es zwanglos ist, stärkt es sie.

In welchen anderen Situationen singst du mit den Kindern?

Singen ist sowohl im Kindergarten als auch in der Familie immer ein Ausdruck von Emotionen. Es beginnt schon mit der Geburt, wenn man das Kind zum Gesang im Arm wiegt. Singen ist Zuwendung, zum Beispiel wenn wir das Kind auf den Schoß nehmen und etwas summen oder vorsingen, etwa um es zu trösten. Vor allem aber ist Singen Fröhlichkeit. Singen verbindet und bedeutet, sich zu begegnen. Bei Kindern ist es immer wichtig, Singen mit Bewegung zu verbinden. Die ganz Kleinen schaukelt oder wiegt man. Bei Kleinkindern lassen sich Fingerspiele mit Gesang verbinden. Und schließlich gibt es Tanz und Bewegungsspiele. Die Bewegung verstärkt die Sprache oder das Singen. Wenn Kinder mit den Händen und dem Körper darstellen, was sie singen, lernen sie leichter als beim Singen im Sitzen. Insgesamt schult Singen in Verbindung mit Bewegung oder Mimik und Gestik die Körpersprache.

Warum ist Gesang so wichtig für kleine Kinder?

Die Stimme ist unsere wichtigste Ausdrucksform. Zwar kommunizieren wir auch über Mimik, Gestik und Körpersprache, aber der Großteil der Kommunikation läuft über Sprache. Singen fördert die Sprachentwicklung und die Fähigkeit, sich emotional auszudrücken. Aber die Stimme ist auch ein Instrument. Gerade bei kleinen Kindern kann man das beobachten. Von Zweijährigen sagt man häufig, dass sie noch nicht singen können. Dabei sitzen sie ganz oft da und summen oder singen ausgedachte Melodien vor sich hin und erproben beim Singen ihre Stimme. Sie erforschen, was sie mit der Stimme alles machen können, zum Beispiel mit hohen und tiefen Tönen oder was sich verändert, wenn man steht oder sitzt. Das ist ein interessantes Experimentierfeld. Kinder lieben auch Lieder, in denen Laute vorkommen, wie zum Beispiel Sch-sch-sch, die Eisenbahn …

Wie lernen Kinder zu singen?

Singen ist immer ein spielerisches und zwangloses Lernen, das Spaß machen soll. Freiwilligkeit ist wichtig. Manche Kinder lernen, indem sie erst mal nur zuhören und sehen, was die anderen machen. Später, wenn die Kinder älter sind, haben sie auch Spaß daran mitzumachen. Das passiert aber nur, wenn man vorher die Freiwilligkeit zugelassen hat. Ein Tipp an die Eltern: Kinder lernen durch ständiges Wiederholen, nicht durch gezielte Übung. Singen Sie ein Lied ein bis zwei Wochen immer wieder mal vor sich hin. Durch die Wiederholung nimmt das Kind das Lied auf und erlernt es mit der Zeit ganz eigenständig.

Was kann Gesang im Zusammenleben zwischen Kindern und Erwachsenen möglich machen?

Gesang ist eine gute Möglichkeit, sich auf einer Ebene zu bewegen. Wenn Kinder und Erwachsene zusammen singen, dann tun sie in der Sprache und in der Bewegung dasselbe. Es ist eine sehr einfache Möglichkeit, sich auf eine Ebene zu begeben, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen.

Du hast selbst zwei Kinder, die jetzt schon erwachsen sind. Hast du mit ihnen zu Hause viel gesungen?

Das Singen hat bei uns einen sehr großen Raum eingenommen. Ich habe als Kind selbst erlebt, wie schön es ist, wenn in der Familie gemeinsam gesungen wird. Damit meine ich nicht, tolle Instrumente zu spielen und Konzerte zu geben, was auch schön ist. Ich meine das einfache gemeinsame Musizieren. Es gab immer ein oder zwei Gitarren und dann wurde zu Weihnachten oder am Lagerfeuer gemeinsam gesungen. Das ist auch heute noch eines der liebsten Dinge, die wir tun, wenn wir uns treffen. Meine Kinder mögen das auch. Die Jüngere hat Gitarre gelernt und beide Mädchen spielen Akkordeon. Es gab Zeiten, da haben wir mit mehreren Instrumenten musiziert, aber alles nicht auf höherem Niveau, sondern zum Spaß. Zu seinem 70. Geburtstag hat sich mein Vater eine gemeinsame Singrunde gewünscht. Das macht ihn einfach glücklich. Für die Großeltern singen wir manchmal Volkslieder, aber wir bringen auch unsere eigenen Lieder mit ein. Diese schöne Erfahrung wollte ich unbedingt an meine eigenen Kinder und an meine Kitakinder weitergeben.

Welche Tipps kannst du Eltern ohne großes musikalisches Talent geben, damit sie mit ihren Kindern trotzdem Spaß am Singen haben können?

Eltern sollten Singen und Musik nicht bewerten. Ich glaube, das ist das größte Hemmnis. Wenn jemand sagt, er könne nicht singen, versuche ich, es ihm auszureden. Es geht einfach darum, sich auszudrücken und etwas gemeinsam zu tun. Auch schiefe Töne können etwas Schönes haben. Wenn Eltern nicht bewerten, sondern einfach mitmachen, können sie Spaß haben. Jeder kann singen.

Gerade die Adventszeit bietet Gelegenheit zum Singen und Musizieren. Welche Anlässe zusätzlich zu Heiligabend können Eltern initiieren?

Es gibt wirklich schöne Musik für Kinder zur Weihnachtszeit. Wer sich nicht zutraut, allein mit den Kindern zu singen, kann auch eine CD abspielen, zum Beispiel „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski. Dazu können Eltern mit den Kindern Plätzchen backen und es sich gemütlich machen. Auch gemeinsam Musik zu hören, ist ein schönes Erlebnis. Je nach Alter des Kindes bieten sich auch Chorveranstaltungen oder Kinderopern für einen Besuch an. Familien mit mehreren Kindern können vieles gemeinsam tun. Für Zweijährige sollten Veranstaltungen allerdings nicht zu lange dauern oder es sollte die Möglichkeit geben rauszugehen. Ob als Familien- oder Kitagemeinschaft – Kinder unterschiedlichen Alters können viele Kulturbesuche zusammen erleben. Dabei greift sich jede Altersgruppe das heraus, was für sie passt.

 

Über die Interviewpartnerin:

Anja Reimann
arbeitet seit 20 Jahren als Erzieherin mit Kindern zwischen einem und sechs Jahren. Den täglichen Morgenkreis gestaltet sie mit besonderer musikalischer Leidenschaft. Die 44-Jährige ist jung Mutter geworden und hat zwei Töchter im Alter von 22 und 19 Jahren. Sowohl in ihrem Elternhaus als auch mit ihren Kindern war und ist das gemeinsame Singen ein fester Bestandteil des Familienlebens.

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