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Warum Papas Nähe nach der Geburt wichtig ist

Jenny

Auch Papas Hormone spielen bei der Geburt verrückt. Sie beeinflussen, wie intensiv der Kontakt zum Kind später wird. Eine frühe Bindung lohnt sich.

Immer mehr Papas sind bei der Geburt ihres Babys dabei und halten es kurz danach im Arm. Das ist gut so, zeigt die Forschung. Denn die Hormone, die auch Väter rund um die Entbindung ausschütten, beeinflussen noch Monate später ihr Verhalten und können sich darauf auswirken, wie eng die Vater-Kind-Beziehung wird.

 

Amerikanische Wissenschaftler haben Speichelproben von fast 300 Vätern untersucht, die entnommen wurden, kurz vor und kurz nachdem sie ihr neugeborenes Baby gehalten haben. Beobachtet wurden die Hormone Testosteron und Kortisol und welchen Einfluss sie auf die väterliche Fürsorge haben. Die frisch gebackenen Papas hielten ihren Nachwuchs spätestens eine Stunde nach der Geburt im Arm, nachdem das Neugeborene ausreichend Haut-zu-Haut-Kontakt zur Mutter gehabt hatte.

 

Der Kontakt zum Neugeborenen macht fürsorglich

Die Väter wurden zwei bis vier Monate später kontaktiert, um Fragebögen zu ihrer Beteiligung an der Kinderbetreuung auszufüllen. Das Ergebnis: Väter, die erhöhte Kortisolwerte aufgewiesen hatten, während sie ihr Neugeborenes im Arm hielten, gaben in der Befragung häufiger an, sich intensiv mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen. Ist der Papa bei der Geburt dabei, schüttet der Körper natürlich mehr vom Stresshormon Kortisol aus.

 

„Wir tendieren dazu, Kortisol als schlechtes Hormon zu betrachten“, sagt Patty Kuo, Mitautorin der Studie. „Aber Babys brauchen viel Fürsorge und dafür muss man wach sein. Wir glauben, dass erhöhtes Kortisol dem Körper helfen kann, sich auf die Kinderbetreuung vorzubereiten.“ Bei Müttern weiß man, dass ein ­erhöhter Kortisolspiegel dafür sorgt, dass sie mitfühlender auf ­Babyschreie reagieren und ihr Kind am Geruch erkennen. Bei Vätern wird das wohl ähnlich sein.

 

Die Wirkung zeigt sich noch Jahre später

Interessant ist auch der Testosteronwert. War dieser niedrig, waren die Väter später intensiver an der Kinderbetreuung beteiligt. Der Testosteronspiegel sinkt nach der Geburt eines Kindes, vor allem bei Männern, die viel Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringen. Kurzum: Weniger Testosteron und vor allem mehr Kortisol bei frisch gebackenen Papas stärkt die Vater-Kind-Beziehung. Also, lasst die Väter bei der Geburt dabei sein und gebt ihnen ihr Baby möglichst früh (und natürlich auch möglichst oft) zum Kuscheln in die Arme. Davon profitiert die ganze Familie Monate, wenn nicht sogar viele Jahre lang. Übrigens zeigt eine Studie, dass Väter, die zwei Monate in Elternzeit gehen, noch Jahre später mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Eine frühe Bindung lohnt sich.