Warum Kuscheltiere Kinder selbstständig machen

Jacqueline

Stofftiere sind Verbündete der Kindheit und die ersten Freunde fürs Leben. Mit ihrer Hilfe gelingt es Babys und Kindern, sich zeitweilig von Mama und Papa zu lösen. Das fördert ihre Selbstständigkeit.

Jeder kennt die warmen Gefühle, die in uns aufsteigen, wenn wir nach vielen Jahren unser altes Lieblingskuscheltier in der Hand halten und an unsere erste Kinderliebe zurückdenken. Nachts hielten wir das Schmusetier fest im Arm an uns gedrückt, tagsüber haben wir mit ihm gespielt, es überall mit hingenommen und ihm all unsere Erlebnisse erzählt. Wir gaben unserem Liebling einen Namen und er gab uns ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme.

Euren Kindern geht es nicht anders, denn Bärli, Hasi, Schnuffel und WauWau sind weit mehr als nur Spielzeuge, sie sind Identifikationsobjekt und Partner zugleich. In der Psychoanalyse werden sie deshalb „Übergangsobjekte“ genannt. Die emotionale Bindung zwischen Kind und Stofftier ist so stark, dass sie eurem Kind dabei hilft, für kurze Zeit auch ohne euch zurechtzukommen und es mit sich allein auszuhalten. Insbesondere beim Einschlafen erfüllt das Kuscheltier die Aufgabe des großen Freundes und Beschützers. Später ist es Rollenspielpartner und Fantasieanreger. Welche Bedeutung das Kuscheltier für euer Kind in welchem Alter erhält, haben wir hier für euch zusammengefasst.

 

Kuscheltiere für jedes Alter

Baby

Mit drei Monaten beginnt euer Baby, sich die Außenwelt etwas genauer anzusehen und sich für kurze Augenblicke von euch zu lösen. Jetzt begreift euer Schatz zunehmend, dass er nicht mit euch identisch ist, sondern als eigenständiges Wesen existiert. Ein Kuscheltier ist dann oft das erste Objekt, das zu dieser Außenwelt gehört und das sich warm und kuschelig anfühlt. Der kuschelige Ersatz gibt eurem Kind Sicherheit, wenn Mama und Papa nicht greifbar sind. Babys beruhigen sich beim Nuckeln, deshalb sind im ersten Lebensjahr Schnuffeltücher, Wichtelpüppchen, Spieluhren und Kuschelfiguren mit langen, flauschigen Ohren wie zum Beispiel Esel, Hasen und Hunde besonders beliebt. Auch Stofftiere mit Beißflächen-Pfoten sind eine Wohltat, wenn euer Baby seine juckenden Zähnchen beruhigen möchte. Wichtig ist vor allem, dass das Kuscheltier sicher und frei von Schadstoffen ist.

 

Kleinkind

Kuscheltiere machen Kleinkindern Mut bei den ersten eigenen Entdeckungen. Weil das Kuscheltier beruhigend wirkt und die Selbstheilung eures Kindes fördert, erhält es in diesem Alter eine fast schon lebenswichtige Bedeutung. Die wichtigen Vertrauten und treuen Begleiter sind bald bei sämtlichen Unternehmungen und Entdeckertouren dabei und helfen eurem Kind in der Kita oder auf dem Spielplatz, stressige Momente zu bewältigen. Bei einem Streit mit Gleichaltrigen springt bei euren Kleinen automatisch das Bindungssystem an und dann brauchen sie ganz dringend etwas Vertrautes, das sie mit euch oder ihrem Zuhause verbindet. Wenn euer Kind in so einem Moment ein paar Minuten mit seinem Schaf oder seinem Schmusebär kuschelt, kann es neue Kraft tanken. Für Kleinkinder ist das Kuscheltier aber auch ein wichtiger Spielpartner. Übrigens nicht nur, wenn es alleine ist, sondern auch, wenn es mit den Kitafreunden zusammenspielt. Da sind Kuscheltiere echte Gruppenmitglieder. Wichtig fürs Kleinkind ist ein Stofftier mit eigenem Charakter, das weich zum Anschmiegen ist und gerne etwas größer sein darf, sodass es nicht so schnell verloren geht. Denn das wäre der Weltuntergang.

 

Vorschule

Während der Vorschule hat euer Kind seine Hochphase im Rollen- und Fantasiespielen. Freunde, Eltern und Großeltern, aber eben auch Kuscheltiere werden nun sehr beansprucht. Wenn euer Kind Familie, Kita, Kinderarzt, Schule oder Pirat spielt, begreift es im Nachspielen etwas über die Welt der Großen und kann den eigenen Alltag verarbeiten. Und nebenbei fördert euer Schatz seine motorischen Fähigkeiten, zum Beispiel, wenn er mit Lerntieren übt, den Reißverschluss auf- und zuzumachen. Beim Kümmern um ein Stofftier lernt euer Kind außerdem Fürsorge gegenüber anderen sowie, die eigenen Gefühle und Wünsche zu formulieren. Wenn euer Kind das Kuscheltier oder die Puppe sprechen lässt, fällt es ihm leichter, seine Emotionen auszudrücken. Schaut eurem Kind ab und zu beim Spiel mit dem Kuscheltier oder der Puppe zu, ihr könnt ihm dabei ein Stück in die Seele blicken und erfahrt, was es beschäftigt. Manchmal müssen Kuscheltiere auch Wut aushalten können, denn sie bekommen nicht nur die Liebe und Zärtlichkeit eures Kindes ab. Aber auch in so einem Fall hilft das Kuscheltier eurem Kind, mit den eigenen Emotionen besser fertig zu werden.

 

Grundschule

Für viele Grundschüler sind Kuscheltiere noch wichtig. Wenn sie nicht mehr ganz so viel mit Mama und Papa kuscheln möchten wie als Kleinkind, holen sie sich ihre Schmuseeinheit und ihr innigstes Urbedürfnis nach Kuscheln beim Teddy ab. Auch die Sehnsucht, Tieren nah zu sein, stillt euer Kind, indem es Plüschkatze und Kuschel-Hund endlose Streicheleinheiten schenkt. Und wenn euer Kind alleine auf Reisen geht, ob zu Besuch bei den Großeltern oder auf die erste Klassenfahrt, dann hilft der vertraute Freund, sich in der Fremde wohlzufühlen. Selbst beim Übernachtungsbesuch beim allerbesten Freund oder der allerbesten Freundin gibt das Kuscheltier Sicherheit.

 

Große Kinder und Erwachsene

Oft ist die emotionale Bindung zum Kuscheltier so stark, dass viele ihr liebstes Kuscheltier ein Leben lang behalten und manchmal sogar an die nächste Generation weitervererben. Lasst auf jeden Fall euer Kind entscheiden, wie lange es sein Kuscheltier braucht und behalten möchte.

 

Tipps für Eltern

Manchmal könnt ihr die grenzenlose Zuneigung eures Kleinen zu einem bestimmten Kuscheltier nicht nachvollziehen? Das macht nichts, euer Kind tut etwas ganz Natürliches, was ihr unbedingt unterstützen solltet. So könnt ihr euer Kind in seiner gesunden Entwicklung positiv beeinflussen:

  • Euer Kind ist einzigartig

Lasst es daher selbst entscheiden, welches Kuscheltier es zur Nummer eins kürt.

  • Bindung fördern

Integriert das Kuscheltier als Teil eurer Familie. Es darf mit am Tisch sitzen, es geht zum Kinderarzt oder fährt mit in den Urlaub.

  • Regeln

Auch Teddy muss am Abend schlafen gehen. Manchmal akzeptiert euer Schatz Regeln eher, wenn auch der Teddy sie befolgen muss.

  • Weniger ist mehr

Nicht die Menge an Kuscheltieren macht eine gute Kindheit. Viel schöner sind die Erinnerungen an DIE Puppe oder DEN Bären, der auf allen Kindheitsfotos dabei ist.

  • Qualität und Werte

Auch wenn sich euer Kind seinen Gefährten selbst aussuchen darf, achtet unbedingt darauf, dass er kindersicher ist, leicht zu pflegen und lange hält. Kauft eventuell noch ein weiteres Exemplar nach für den Fall, dass er einmal verloren gehen sollte. Achtet auch darauf, dass der Gefährte positive Werte vermittelt.

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