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Warum Babys so viel Nähe brauchen

Verena

Kuscheln schafft positive Glaubenssätze und ist lebenswichtig – fast so sehr wie die Nahrungsaufnahme!

Es gibt wohl kaum etwas Schöneres im Elternalltag, als wenn ihr entspannt auf dem Sofa liegt und euer Baby auf eurem Bauch gekuschelt schläft. Friedlich, warm und geborgen. Für den Außenstehenden mag so ein Moment nach Nichtstun aussehen – aber eigentlich leistet ihr Großartiges für euer Kind, auch während ihr mit ihm auf dem Sofa lümmelt. Denn Kuscheln ist für euer Baby lebenswichtig.

Ihr stärkt damit sein Vertrauen in die Welt und sein eigenes Dasein. Ihr prägt also die Haltung, mit der es später den Herausforderungen des Lebens begegnet. Das vertrauensvolle Kuscheln gibt eurem Baby das Gefühl: „Ich bin liebenswert, so wie ich bin“, „Ich bin willkommen“, „Die Welt ist gut“. Mit diesen Glaubenssätzen im Gepäck kann es wunderbar wachsen und stark werden. Urvertrauen nennt man das. Davon kann ein Kind gar nicht genug mit auf seinen Lebensweg bekommen, um eine positive Einstellung zu entwickeln.

Wie wichtig kuschelige Zuwendung für kleine Lebewesen ist, zeigte der amerikanische Verhaltensforscher Harry Harlow in einem aufsehenerregenden Experiment schon Ende der 1950er Jahre. Damals gehörte liebevolle Nähe nicht zum gängigen Erziehungskonzept. Doch Harlow zeigte in einem Versuch mit Rhesus-Äffchen, dass Kuscheln ein existenzielles Grundbedürfnis ist.

Er isolierte neugeborene ​Äffchen von ihren Müttern. Als Ersatz gab er ihnen zwei leblose Attrappen, die direkt nebeneinandersaßen. Die eine bestand aus nichts als Draht, hatte aber in Brusthöhe eine eingebaute Milchflasche, an der die Äffchen trinken konnten. Die andere Attrappe war völlig ohne Nahrungsangebot – dafür hatte sie einen kuscheligen, warmen Stoffkörper, der sogar von einer Glühbirne erwärmt wurde. Was glaubt ihr, wo die jungen Äffchen sich lieber aufhielten?

Bei der Stoffmutter! Sie huschten zwar immer wieder für ein paar Sekunden zu der Drahtmutter hinüber, aber nur widerwillig, um kurz zu trinken. Sofort danach kuschelten sie sich wieder eng an die andere Attrappe und blieben dort sitzen – den Großteil des Tages. „Wir hatten zwar angenommen, dass körperliche Nähe eine wichtige Komponente darstellt“, sagte Harlow über sein Experiment. „Aber wir waren völlig überrascht davon, dass wirklich alles andere davon in den Schatten gestellt wird, sogar das Füttern.“

Der Wissenschaftler ging sogar noch einen Schritt weiter: Er ließ mechanische Monster auf die Äffchen los, um zu überprüfen, bei welcher Mutter sie in Schrecksituationen vertrauensvoll Schutz suchten. Auch diesmal siegte die Stoffmutter! Obwohl sie die Äffchen nie ernährt hatte. Kuschelige Behaglichkeit ist offenbar mindestens genauso lebenswichtig.

Ihr macht eurem Baby also auf jeden Fall eine Freude, wenn ihr ihm ein weiches Wärmekissen ins Bettchen legt oder ein flauschiges Schmusetier.  Das gibt Geborgenheit, auch wenn Mama gerade Mal nicht zum Kuscheln zur Verfügung steht.