So feiert ihr ein entspanntes Weihnachtsfest in der Familie

Jacqueline

Das heiß ersehnte Fest kann auch ganz entspannt verlaufen, wenn ihr gut plant und ein paar Tipps beachtet.

Weihnachten ist eine große emotionale und physische Herausforderung für eure Kinder. Da ist zunächst die große Vorfreude, weshalb so manches Kind eine schlaflose Nacht verlebt und an Heiligabend dann total müde und gleichzeitig aufgekratzt ist. Dazu kommt die magische Komponente, wenn der Weihnachtsmann oder das Christkind erscheinen. Und dann ist da noch das Festprogramm: Es kommen viele Personen zusammen und Trubel entsteht, es finden viele Aktionen wie Krippenspiel, Kirchgang, Bescherung und Festessen statt. Beim Essen sitzen die Erwachsenen gefühlte Stunden zusammen und unterhalten sich, weshalb das lange Stillsitzen für euren Nachwuchs zur echten Geduldsprobe wird. Und auch von einer Flut von Geschenken können eure Liebsten – trotz aller Freude – überfordert sein. Tipps dazu, wie ihr Stressfaktoren vermeidet und worauf ihr achten könnt, um die Bedürfnisse eures Kindes und eure eigenen in Einklang zu bringen, gibt euch die Autorin Hanna Heim.

 

Frau Heim, ab wie vielen Jahren nehmen Kinder Weihnachten überhaupt als ein besonderes Fest war?

Das ist wie beim Geburtstag. Der erste Geburtstag ist ja eher für die Eltern ein wichtiger Tag, Kinder nehmen erst ab dem zweiten oder dritten Lebensjahr ihren Geburtstag und auch Weihnachten bewusst wahr. Dann können sie sich darüber freuen, dass Besuch kommt, empfinden Überraschung und Aufregung beim Geschenkeauspacken. Dann erleben sie Weihnachten so, wie sich auch die Eltern daran erinnern, wie schön Weihnachten eigentlich war.


Babys und Kleinkinder nehmen sehr stark die Stimmung ihrer Umgebung auf. Gerade an Weihnachten kann es durch viele Personen und viele Ereignisse sehr unruhig werden. Wie viel Action können wir uns und unserem Kleinkind zumuten?

Kinder reflektieren ganz stark, wie es den Eltern geht. Deshalb sollten Eltern gucken, dass es tatsächlich ein Fest der Besinnlichkeit wird. Lieber nicht noch das fünfte Blech Plätzchen backen oder noch mehr aufwendigen Weihnachtsschmuck basteln. Nur wenn es mir gut geht, kann es auch dem Kind gut gehen. Alles andere führt zu Missstimmung unterm Weihnachtsbaum.


Brauchen Kinder kleine Auszeiten, in denen sie mit einer vertrauten Person kuscheln? Oder kann Kuscheln auch Stress auslösen, zum Beispiel wenn Oma das Kind auf den Schoß nehmen möchte, das Kind aber gar nicht will?

Meine Erfahrung ist, dass es Sinn macht, sich schützend vor das Kind zu stellen. Wenn man beobachtet, dass das Kind Konfetti im Kopf hat, weil die Aufregung zu groß wird, dann ist es gut, sich eine Auszeit zu nehmen und mit dem Kind zu kuscheln und auch darüber zu reden, wie es dem Kind gerade geht. Eltern können sich aufteilen, sodass einer für das Kind zuständig ist und einer für den Rest. Dabei kann man sich natürlich auch abwechseln. Das hat sich bei uns bewährt. Wenn Verwandte das Bedürfnis zum Kuscheln haben, das Kind aber nicht, ist es sehr wichtig, klare Grenzen zu setzen und das Kind darin zu unterstützen zu sagen: Lass mich jetzt bitte in Ruhe.


Kinder freuen sich besonders auf ihre Geschenke. Aber auch beschenkt zu werden, kann überfordern. Wann entsteht Überforderung und wie lässt sie sich vermeiden?

Je größer die Familie, desto schwieriger wird die Bescherung. Mit den Großeltern klappt das noch ganz gut, aber wenn auch Onkels und Tanten dabei sind, kann es dazu führen, dass das Kind nicht mehr wertschätzen kann, was es bekommt, und nur noch wie am Fließband das Papier der Geschenke aufreißt. Wenn es zu viel wird, darf man Spielsachen übrigens auch weiterverschenken. Überforderung entsteht, wenn Kinder etwas fühlen sollen. Wenn sie sich zum Beispiel über die Ritterburg freuen sollen, obwohl sie sich ein Kuscheltier gewünscht haben. Als Eltern ist man dann im diplomatischen Dienst.


Weihnachten ist sehr geprägt durch Tradition und die daran gebundenen Erwartungen, was zu einem gelungenen Weihnachtsfest dazugehört. Wie können Familien ihre eigene authentische Art zu feiern finden?

Da läuft viel über Kommunikation, in die man auch die Kinder mit einbeziehen kann. Dann ist Weihnachten eigentlich überraschend einfach. Wenn man zusammen überlegt, was es wirklich für Weihnachten braucht, zum Beispiel einen Weihnachtsbaum, den man zusammen schmückt. Anderes kann man delegieren. Wenn ein Familienmitglied gerne kocht, muss ich das nicht selbst machen. Ganz wichtig ist auch, niemanden zu etwas zu zwingen. Ich wollte beim ersten Weihnachtsfest mit meiner Tochter alle Verwandten zu uns einladen. Das fanden einige aber gar nicht so toll, ihnen war die Anreise zu aufwendig. Das hat zu ziemlichen Verwerfungen geführt. Seither machen wir alles nur noch auf freiwilliger Basis. Wenn die Runde klein ist, wird es auch authentisch. Und Eltern sollten nicht vergessen, dass sie noch zwanzig Jahre Weihnachten ganz pompös und in großer Runde feiern können. Solange die Kinder noch klein sind, ist ein kleines Fest aber vielleicht schöner für alle.


Haben Sie noch ein paar Tipps für Eltern von Babys und Kleinkindern für ein entspanntes Weihnachtsfest in der Familie?

  1. Die Bescherung ist für kleine Kinder eine ziemliche Geduldsprobe und versetzt sie in große Anspannung. Deshalb machen wir immer schon am Vormittag eine kleine Bescherung. Das nimmt den Druck raus.
  2. Eltern sollten unbedingt versuchen, den Tagesablauf beizubehalten, und darauf achten, dass das Kind den üblichen Mittagsschlaf bekommt. Sonst dreht das Kind zwangsläufig frei.
  3. Ab dem dritten Lebensjahr kann man dem Kind ein Kuscheltier als kleinen Begleiter an die Hand geben. Meine Tochter hatte den Hasen Molli, dem sie dann das Weihnachtsfest erklären und mit dem sie die eigenen Erwartungen und Befürchtungen teilen konnte. So konnte sie die Größere sein. Kinder mit Geschwistern benötigen das vermutlich eher nicht, aber Einzelkindern kann das helfen.
  4. Man sollte niemanden zu etwas zwingen.
  5. Die Runde möglichst klein halten.

 

Über die Autorin:

Hanna Heim, Jahrgang 1988, ist Radiojournalistin und Autorin. Sie lebt mit ihrer Familie in München und beschäftigt sich mit allem rund um Gesellschaft, Leben und Elternschaft. Als sie noch Maier hieß, bekam sie ihr erstes Kind und schrieb über diese Lebensphase gemeinsam mit ihrer Mutter Anja Maier ein Buch. Seit sie Heim heißt, erwartet sie ihr zweites Kind.

Literaturhinweis:

Hanna Maier, Anja Maier: Als Oma bist du ja ganz nett – wie meine Mutter ein Enkelkind bekam. Taschenbuch, erschienen bei Pieper, März 2014, 240 Seiten, 9,99 Euro.

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