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Selbstfürsorge: Wie Eltern achtsam mit sich selbst umgehen

sigikid

Andrea Berauer-Knörrer, Yogalehrerin & Coach, erklärt im sigikid-Interview, warum bei all der Fürsorge um unsere Kinder, die Selbstfürsorge für uns Eltern mindestens genauso wichtig ist.

Andrea, was verstehst du persönlich unter dem Begriff „Selbstfürsorge“?

Als Mama oder Papa drehen sich viele unserer Gedanken und Handlungen um unsere Kinder und wie wir am besten für sie sorgen können. Neben den anderen Herausforderungen im Alltag geht die Frage danach, was einem selbst gut tun würde oft unter oder taucht erst gar nicht auf. Deshalb geht es bei der „Selbstfürsorge“ in erster Linie darum, es sich durchaus zu erlauben, den Blick wieder auf sich selbst zu richten und zu schauen: Hey, was brauche ICH denn gerade? Es ist eine Art Zurückfinden zu sich selbst.

 

Warum fällt Eltern das manchmal schwer?

Ich denke, das liegt zum einen daran, weil wir denken, dass wir dafür gar keine Zeit haben und zum anderen spielt oft auch das schlechte Gewissen eine Rolle. Wir denken, dass es egoistisch ist, wenn wir uns mal Zeit für uns nehmen und um uns selbst kümmern. Dabei verwechseln wir meiner Meinung nach Selbstfürsorge mit Egoismus.

 

Was ist der Unterschied zwischen Selbstfürsorge und Egoismus?

Wenn wir egoistisch unterwegs sind, dann handeln wir in der Regel „ohne Rücksicht auf andere“. Sobald wir uns allein schon die Frage stellen, welche Konsequenzen unser Handeln auf unser Umfeld hat und auch das mit in Betracht ziehen, ist man meines Erachtens nicht egoistisch unterwegs. Vor allem nicht, wenn man dann gemeinsam als Familie schaut, wie sich unterschiedliche Bedürfnisse vereinbaren lassen.
Im Endeffekt kommt es allen im Familienverbund zu Gute, wenn wir gut für uns sorgen und darauf achten, die eigenen Energiereserven immer wieder aufzufüllen. Denn nur wenn ich als Mama oder Papa in meiner Kraft bin, kann ich mich wirklich bestmöglich um meine Liebsten kümmern – und zwar dauerhaft, ohne irgendwann auszubrennen.

Es ist wie bei dem Klassiker im Flugzeug. Dort heißt es auch, dass man im Falle eines Druckabfalls zuerst sich selbst die Maske anlegen soll, bevor man anderen dabei behilflich ist. Indem wir gut für uns sorgen, sorgen wir auch gut für andere.

Überspitzt könnte man somit sagen, dass eine gute Selbstfürsorge eine der größten Pflichten von uns Eltern sein sollte.

 

Wie können wir  Selbstfürsorge in unseren oft herausfordernden Alltag integrieren?

Allem voran gilt es erstmal für sich zu schauen: was sind überhaupt meine Bedürfnisse? Was tut mir gut und was hilft mir, meine Akkus wieder aufzuladen? Das kann für jede Mama und jeden Papa etwas anderes sein. Für manche ist es wieder mal etwas ganz alleine mit Freunden zu unternehmen, andere wünschen sich nichts mehr, als in Ruhe ein gutes Buch zu lesen oder alleine in der Natur spazieren zu gehen, ohne einen Abenteuerausflug daraus zu machen.

Gleichzeitig ist es auch hilfreich, sogenannte „Energieräuber“ zu identifizieren. Wahrscheinlich lassen sich nicht alle abstellen, aber wenn man genau – und vor allem ehrlich – hinschaut, gibt es bestimmt bei allen von uns den ein oder anderen Energieräuber, den wir zumindest minimieren können.

Im nächsten Schritt ist es wertvoll, gemeinsam in der Familie offen und ehrlich darüber zu sprechen. Je nachdem wie alt die Kinder sind, kann man sie auch altersgerecht einbinden. Das Tolle daran: unsere Kinder lernen dadurch von Anfang an, dass es auch wichtig ist, gut für sich selbst zu sorgen.

 

Was können wir machen, wenn gefühlt die Zeit für das fehlt, was uns guttun würde?

Es ist vor allem hilfreich, unsere Ansprüche in allen Lebensbereichen zu überprüfen. Diese sind nicht selten (unrealistisch) hoch, was dazu führt, dass wir sehr viel Energie und Zeit investieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sehr man sich unter Druck setzen kann, weil man denkt man müsste dieses oder jenes machen, um eine gute Mama zu sein – gleichzeitig dann noch mit perfektionistischen Gedanken in Richtung Haushalt, Partnerschaft, Erwerbsarbeit, Freundeskreis …

Ganz ehrlich: in mir wohnt auch immer noch eine kleine Perfektionistin, die sich nicht selten zu Wort meldet. Mir persönlich hilft es dann immer sehr gut, wenn ich all meine sogenannten „ToDo’s“ auf die Frage hin „Muss ich das jetzt tun“ überprüfe. Am besten mit unterschiedlicher Betonung auf die einzelnen Worte. Meist entdecke ich dann schon 3-4 Dinge, die ich sicher nicht JETZT tun MUSS bzw., die auch nicht ICH machen muss, sondern bei denen ich jemanden um Unterstützung bitten kann. Dadurch eröffnen sich dann Zeitfenster, in denen ich Dingen nachgehen kann, die ich wirklich machen MÖCHTE und die mir helfen, meine Akkus wieder aufzuladen.

 

Was sind deine besten Selbstfürsorge-Tools?

Für mich ist das Innehalten immer ganz wichtig und das Erkennen meiner Bedürfnisse. Denn die sind auch nicht immer gleich. Dabei hilft mir persönlich Meditation (da reichen oft 5 Minuten) und vor allem meine Journaling-Praxis – das heißt, Dinge aufzuschreiben und den Gedanken im Schreiben freien Lauf zu lassen. Yoga und oder Spaziergänge in der Natur sind für mich auch große Kraftquellen, weil ich dabei die Verbindung zu mir selbst immer am besten herstellen kann. Da reichen manchmal auch nur ein paar Minuten.

 

Was würdest du Eltern raten, die den Entschluss fassen, dem Thema Selbstfürsorge wieder mehr Raum zu geben?

Vor allem den Perfektionismus außen vor zu lassen – auch in Bezug auf die eigene Selbstfürsorge. Es muss nicht immer gleich eine tägliche 60-minütige Morgenroutine oder ein ganztägiger Wellnessaufenthalt sein.

In erster Linie geht es erstmal darum zu erkennen, was mir als Mama oder Papa guttut, um dann gemeinsam zu schauen, wie man es als Familie bestmöglich und für alle stimmig einbauen kann.

Kleine Dinge lassen sich ganz einfach integrieren (der Kaffee in der Sonne), manch andere in Absprache (der wöchentliche Sporttreff).

Letztlich ist Selbstfürsorge wirklich eine spannende Reise, weil man sich dadurch wieder mehr mit sich selbst verbindet und neu oder wieder kennenlernt. Letztlich ist es das Zurückfinden zu sich selbst – neben der wohl schönsten Rolle der Welt als Mama oder Papa.

 

Hier die Tipps von Andrea noch einmal auf einen Blick:

  • Erkenne deine Bedürfnisse
  • Mach eine Bestandsaufnahme
    • Gib Energielieferanten mehr Raum
    • Minimiere Energieräuber
  • Sprich mit deiner Familie darüber
  • Findet gemeinsam einen stimmigen Weg
  • Lass dich unterstützen
  • Umarme den Gedanken „Perfectly imperfect“
  • Manchmal ist weniger mehr

 

Du hast Lust auf mehr?

Dann komm gern in den Lostopf für einen der 2 Online-Selbstfürsorge-Workshops Anfang Juni. Alle Informationen und die Anmeldungsmöglichkeit findest du hier.

 

Über Andrea Berauer-Knörrer:

Andrea ist Yogalehrerin und vor allem Coach aus Leidenschaft. Als Mama eines fast 11jährigen Sohnes kennt sie die Herausforderungen, die sich im Alltag stellen, um alles unter einen Hut zu bekommen, nur zu gut.

Mit Werkzeugen aus dem Yoga und Coaching schafft sie es selbst immer wieder zurück in ihre Mitte zu finden und gibt diese Erfahrung sehr authentisch und mit viel Freude an ihre Teilnehmer:innen weiter.

Mehr Informationen zu Andrea und ihrer Arbeit findest du unter www.yogacraft.de

Bildnachweis Yogacraft: Mint & Sugar Fotografie

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