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Minimalismus: Das Glück der Einfachheit

Julia

Weniger ist mehr – mit diesen Worten lässt sich der Trend des Minimalismus gut zusammenfassen. Man kann diesen Trend als Gegenbewegung zum Konsumwahn bezeichnen, bei dem es darum geht, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Es ist ein Lebensstil, bei dem man bewusst auf Dinge verzichtet, die man nicht braucht und die einen nicht glücklich machen. Für Singles und kinderlose Paare mag eine solche Lebenseinstellung durchaus seine Vorteile haben. Doch lässt sich eine Ausrichtung von „Weniger ist mehr“ auch mit kleinen Kindern umsetzen?

Mut, gegen den Strom zu schwimmen

Die Werbung im Fernsehen, in Zeitschriften und auf Plakaten suggeriert uns, dass innere Zufriedenheit abhängig davon sei, was bzw. wieviel man besitzt. Diese Sehnsucht nach Glück verleitet uns dazu, mehr zu kaufen, als wir tatsächlich brauchen.

Aber stimmt das, was Werbung uns verkaufen möchte? Sind wir tatsächlich glücklicher, wenn wir viel besitzen?

Ein Westeuropäer besitzt rund 10.000 Gegenstände im Durchschnitt. Das ist ganz schön viel. Wenn die Menge des Besitzes glücklich macht, müssten wir als Westeuropäer zu den glücklichsten Menschen der Erde zählen.

Schauspieler Jim Carrey sagte einmal: „Ich hoffe, dass jeder einmal reich werden kann und dann alles hat, was er sich je erträumt hat, damit er erkennt, dass dies nicht die Antwort ist.“

 

Wann Einfachheit Sinn macht

Manche Eltern finden sich irgendwann wieder in einem belastenden und erschöpfenden Alltagstrott, aus dem es – mit Ausnahmen vom ersehnten Jahresurlaub – keinen Ausweg zu geben scheint. Die meisten Eltern haben gleich 3 Jobs, denen sie nachgehen: ihr Beruf, der Haushalt, und die Kinder. Vielen fehlt in diesem 3-gleisigem Alltag die Zeit zum Entspannen, Zeit zum Aufatmen und Zeit für sich selbst. Und gerade mit kleinen Kindern wird der Job „Haushalt“ nicht selten zur Mammutaufgabe. Man kommt mit dem Aufräumen nicht mehr hinterher und fühlt sich wie in der Sage von Sisyphus: Kaum hat man die Wohnung oder das Haus ordentlich aufgeräumt, fängt die Unordnung von Neuem an. Es gibt täglich so viel „Kram“, der herumliegt. Die wenigen Stauflächen sind genauso vollgestopft wie der Terminkalender. Und zu alledem stellt man sich selbst noch unter hohem Erwartungsdruck, weil man perfekt sein möchte und seinen Kindern nur das Beste bieten möchte – doch immer wieder wird man mit seinem eigenen Scheitern konfrontiert.

Kennst Du das? Dann ist es Zeit, etwas mehr von der Einfachheit des Lebens zurückzuerlangen, und dich von überflüssigen Lasten zu befreien. Dieses Belastende kann äußerlich sein – das schiere Zuviel an Gegenständen und Terminen – als auch innerlich – die Last von Perfektionismus und/oder Versagensgefühlen.

 

Entdecke, was dir wichtig ist

Das Entscheidende beim Trend des Minimalismus ist nicht der reine Konsumverzicht. Das Entscheidende ist, neu zu entdecken, was einem wichtig ist, was wesentlich ist, was einen glücklich macht. Nur mit dieser Selbsterkenntnis kann man bewusst auf das verzichten, was dies alles nicht ist. Und so mancher wird entdecken, dass der Alltag weniger erschöpfend ist, wenn man mit leichtem Gepäck unterwegs ist: wenn man den Mut zur Einfachheit hat.

 

Einfachheit als Lebensstil

Minimalismus muss kein asketischer Lebensstil des Entbehrens sein. Es heißt nur, Einfachheit zu begrüßen und sich innerlich – und äußerlich – etwas mehr Raum zu schaffen. Sich das Leben ein bisschen leichter zu machen. Es bedeutet auch, im Hier und Jetzt anzukommen, zur Ruhe zu kommen und sich an den einfachen Dingen zu erfreuen, statt ständig dem Neuesten oder Besten hinterherzujagen.

Mit Kindern bedeutet es, dass man nicht immer das beste Unterhaltungsprogramm aus dem Ärmel schütteln muss. Dass man den Terminkalender nicht überstrapazieren muss, sondern auch einfach mal Zeit für nur Familie-Sein hat: Zeit zum Spielen, Zeit zum Lachen, Zeit zum Quatschmachen, Zeit zum Ausruhen, Zeit für Geschichten, Zeit für ziellose Spaziergänge oder für spontane Momente von Kitzelattacken, Kissenschlachten und Kuscheln.

Einfachheit bedeutet, dass man aufhört, eine Überheldenmutter oder -vater sein zu wollen. Es bedeutet der Verzicht auf Perfektionismus. Man ist als Mutter oder Vater einfach nur sich selbst: ein von Herzen sein Kind liebendes sich selbst. Und je zufriedener, entspannter, gelassener und glücklicher man selber ist, desto mehr verändert sich auch die gesamte Familienatmosphäre ins Positive.

„Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ (Mutter Teresa)

 

Kann Einfachheit mit Kindern funktionieren?

Ja! Denn Kinder sind von Natur aus so angelegt, dass sie in der Einfachheit ihr Glück finden. Hast du schon mal einen Waldkindergarten besucht? Dort siehst du, wie Kinder mit den vermeintlich  wenigen Dingen, die  der Wald ihnen bietet, begeistert spielen, ohne dass Langweile aufkommt: Matschepfützen und Steine, Tannenzapfen und umgestürzte Baumstämme, Stöcke und Blätter – all dies stimuliert ihre Fantasie und lädt sie zum Entdecken, Erforschen, Toben, Klettern, Basteln und Spielen ein. Die Kinder eines Waldkindergartens kommen nicht nur ohne „moderne“ Spielsachen aus: Sie sind absolut und von Herzen glücklich dabei.

Wenn man als Familie einen einfacheren Lebensstil einschlägt, sollte man jedoch zwei Dinge beachten:

1. Ein gesundes Mittelmaß finden

Es tut Kindern nicht gut, wenn sie das Gefühl haben, im Vergleich zu anderen Kindern benachteiligt zu werden oder nie zu bekommen, was sie sich wünschen. Aber genauso wenig ist es ihrer Entwicklung förderlich, wenn sie immer alles bekommen, was sie sich wünschen, und die Wertschätzung für das, was sie schon haben, verlieren, da sie ständig nach Neuem begehren. Als Eltern ist es wichtig, ein gesundes Mittelmaß zwischen zu wenig und zu viel zu finden


2. Bewusster kaufen: Qualität und Langlebigkeit

Minimalismus ist bei Kindern nur begrenzt möglich. Nicht selten muss man sein Kind 3mal am Tag umziehen: Der Joghurt landet auf dem T-Shirt, die Hose ist nach dem Spielplatzbesuch voller Schmutz, und das Lernen der Windelfreiheit klappt auch noch nicht so gut. Mit minimalistischen fünf Outfits im Kleiderschrank würde man hier nicht weit kommen.Worauf man jedoch achten kann, ist eine gute Qualität bei dem, was man hat. Denn setzt man auf Billigware, hat man einen schnell einen „Verschleiß“ und muss die verbrauchte Kleidung nachkaufen – was nicht nur der Umwelt, sondern letztlich auch dem Geldbeutel schadet.

Ich schreibe hier aus eigener Erfahrung: Kaum eine Hose meiner wilden Jungs überlebte länger als wenige Wochen – zu schnell war der Stoff bei den Knien vom Toben, Krabbeln, Robben und Spielen auf dem Fußboden oder dem Spielplatz durchgescheuert. Selbst Jeanshosen, die ich beim Discounter gekauft hatte, erwiesen sich als wenig strapazierfähig. Die einzigen Hosen im Kleiderschrank meiner Jungs, die trotz ausgiebiger Beanspruchung immer noch keine Löcher an den Knien haben, sind die Hosen von sigikid.

Kinder brauchen auch keine Unmengen von Stofftieren. Aber sie brauchen Stofftiere, die haltbar sind, die man auch mal in der Waschmaschine waschen kann, und die sie ihre ganze Kindheit hindurch begleiten können. Das ist nur möglich bei guter Qualität.

Minimalistische Eltern kaufen also nicht möglichst wenig ein – aber sie kaufen möglichst bewusst ein: Langlebiges Spielzeug von guter Qualität und Kinderkleidung, die sich weder verfärbt noch einläuft oder sich abnutzt, und die so bequem ist, dass sie Kinder gerne und häufig anziehen.


3. Tipps, wie sogar das Ausmisten einfach wird

Manche Eltern haben so wenig Zeit in ihrem Alltag, dass selbst der Gedanke an Ausmisten zur Last werden kann: Wann soll man hierfür bitte Zeit finden?

Auch hier gilt: Mache es dir so einfach wie möglich. Beispielsweise so:

  1. Gehe ein- oder zweimal im Monat mit einem Wäschekorb durchs Haus/durch deine Wohnung. Fülle den Wäschekorb mit allem „Kram“, der überflüssig geworden ist: Dinge, die entweder nicht (mehr) benötigt werden, oder Dinge, die dir oder deinen Kindern keine Freude (mehr) bereiten.Dieses Ausmisten mit dem Wäschekorb dauert nicht lange und kann auch „Zwischendurch“ geschehen. Du kannst es unternehmen, während dein Kind seinen Mittagsschlaf hält, während im Ofen das Abendessen backt oder einfach mal spontan, wenn du unerwartet einen Moment Zeit hast und voller Tatendrang bist.
  2. Nimm dir für jede dieser „Ausmist-Unternehmungen“ nur einen bestimmten Bereich vor:
  • Erwachsenenkleidung
  • Kinderkleidung
  • Schuhe und Taschen
  • Spielsachen
  • Bücher
  • Schreibtisch, Unterlagen und Dokumente
  • Dekoration
  • Erinnerungsstücke
  • u.s.w.Fange am Besten mit Dingen an, die nicht mit einer gewissen Emotionalität (wie z.B.Küchenschubladen oder Schreibtisch ) verbunden sind. Wenn du in deiner Beurteilungsfähigkeit geübt bist und Vertrauen in deine Entscheidungsfähigkeit hast, kannst du auch die gefühlsmäßig schwierigeren Bereiche angehen.
  1. Oder du nimmst dir jedes Mal einen bestimmten Bereich deiner Wohnung vor:
  • Schuhschrank
  • Vorratsraum
  • Sockenschublade
  • Badezimmer
  • Schreibtisch
  • Küche
  • Garderobe/Flur
  1. Danach wird der „Kram“ aussortiert:
  • Was kann weggeschmissen werden?
  • Was kann verschenkt / gespendet werden?
  • Was kann verkauft werden?
  1. Das wichtigste bei dieser Vorgehensweise: Das Sortieren und Entsorgen der Sachen sollte noch am selben Tag – spätestens jedoch innerhalb der nächsten 3 Tage – gemacht werden. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Sachen einfach liegenbleiben.
  • Wirf noch am selben Tag weg, was nicht mehr brauchbar ist.
  • Lege die Sachen, die du spenden/verschenken willst, noch am selben Tag oder am nächsten Morgen in den Kofferraum, um sie baldmöglichst zum Empfänger zu bringen.
  • Stelle die Sachen, die du verkaufen möchtest, gleich ins Internet, oder verräume sie an einen Ort, wo du die Artikel für den nächsten Flohmarkt sammelst
  1. Vergiss nicht, auch ab und zu deinen Terminkalender „auszumisten“ und dir zu überlegen, wo du etwas mehr Freizeit für dich / deine Familie schaffen kannst.
  2. Mit der Zeit wird es mehr Freiräume geben in deiner Wohnung und du wirst dich leichter und wohler fühlen. Es wird weniger herumliegen. Es wird weniger zum Aufräumen geben, und auch das Aufräumen selbst wird einfacher sein, weil es mehr Platz gibt und alles übersichtlicher ist. Doch solange du kleine Kinder hast, solltest du perfektionistische Vorstellungen von Ordnung als weiteren überflüssigen Ballast von dir tun. Ganz nach dem Zitat: „Gute Mütter haben klebrige Tische, volle Wäschekörbe, schmutzige Fenster und… glückliche Kinder!“

 

„Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen.“

(Siddhartha Gautama Buddha)

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