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Mehr als nur Worte: So verbesserst du die Kommunikation mit deinem Kind

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Wusstest du, dass 55 Prozent deiner Kommunikation nonverbal stattfindet, d.h. nur über deine Mimik und Gestik (Körpersprache)? Weitere 38 Prozent der Kommunikation findet nur durch den Klang deiner Stimme statt. Lediglich 7 Prozent der Kommunikation wird über den Inhalt deiner Worte wahrgenommen. So beschreibt es die Ärztin Dr. med. Andrea Schmelz in einem Artikel auf Elternwissen.com

Kinder beherrschen Sprache noch nicht so gut – für sie ist die nonverbale Kommunikation wesentlich wichtiger als die verbale. Die nonverbale Kommunikation ist quasi die „Muttersprache“ von Kindern. Die verbale Kommunikation mittels Sprache erlernen sie erst später und kann daher als Sekundärsprache bezeichnet werden. Das ist für uns Erwachsene sehr wichtig zu verstehen!

Babys orientieren sich primär an der Mimik – dem Gesichtsausdruck – ihrer Eltern. Stell dir eine Mutter vor, die ihrem Baby direkt in die Augen schaut und mit ihm redet. Sie sagt „Ich habe dich so lieb!“, aber sie runzelt dabei die Stirn, zieht die Augenbrauen zusammen, die Mundwinkel zeigen nach unten, und der Klang ihrer Stimme klingt eher bedrohlich. Wie würde das Baby wohl reagieren? Würde es sich geliebt fühlen? Vermutlich wäre es extrem verunsichert und würde womöglich sogar anfangen zu weinen.

Wenn die Mutter aber genau dieselben Worte sagt, mit einem lächelnden Mund, entspanntem Gesichtsausdruck, strahlenden Augen und freundlicher, sanfter Stimme – dann würde die Botschaft beim Baby ankommen. An diesem Beispiel sieht man, dass die primäre Sprache von uns Menschen die Mimik und Gestik ist.

Spulen wir ein paar Jahre vor in das Kleinkindalter. Jetzt hat das Kind schon reden gelernt und kann sich verbal ausdrücken. Doch was macht es, wenn es wütend ist, weil beispielsweise auf der Pizza Tomaten sind und es keine Tomaten mag? Drückt es sich verbal oder nonverbal aus? Vermutlich wird es in seine Muttersprache zurückfallen und seine Gefühle durch die Körpersprache ausdrücken: vielleicht schiebt es den Teller energisch zur Seite, schreit oder weint, und hat einen regelrechten Trotzanfall. Je stärker die Gefühle, desto stärker die Körpersprache. Mit diesem lauten, heftigen Gebären will das Kind also niemanden bewusst ärgern oder nerven. Es will sich ausdrücken: „Ich möchte keine Tomaten auf meiner Pizza! Ich bin enttäuscht, denn ich hatte mich auf eine andere Pizza gefreut. Ich bin wütend, denn ich bin wirklich sehr hungrig, aber mir schmeckt dieses Essen nicht.“ Das so in der Sekundärsprache auszudrücken – das kann es jedoch noch nicht. Oder konntest du schon offizielle Behördenbriefe auf Englisch verfassen als du dein erstes Jahr Englischunterricht in der Schule hattest? Nein, soweit warst du noch nicht, obwohl du schon kleine Sätze sagen konntest wie: „My name is…“ oder „I am from …“.

Es ist also verständlich, dass kleine Kinder gerade bei – aus ihrer Sicht – komplizierten Sachverhalten (kompliziert, da sie mit heftigen Gefühlen einhergehen) sich ihrer Muttersprache bedienen.

Ein letztes, kurzes Beispiel: Was passiert, wenn man ein Kind am Bauch kitzelt? Sagt es: „Das finde ich lustig, das fühlt sich witzig an!“? Oder fängt es an zu lachen? Es ist Letzteres. Das Kind kommuniziert in seiner Muttersprache. Nonverbal.

Je älter ein Kind wird, desto besser wird es die verbale Sprache beherrschen lernen. Anders als die natürliche, nonverbale Muttersprache der Mimik und Gesten, ist die verbale Sprache nicht angeboren. Sie muss tatsächlich mühsam und über Monate bzw. Jahre erlernt werden.

 

Treffend sagte es Charlie Chaplin:

„Handlung wird allgemein besser verstanden als Worte. Das Zucken einer Augenbraue, und sei es noch so unscheinbar, kann mehr ausdrücken als hundert Worte.“

 

 

Hier findest du ein paar praktische Tipps, wie du deine Körpersprache vermehrt einsetzen kannst, wenn du mit deinem Kind kommunizierst:

 

  1. Begib dich auf Augenhöhe deines Kindes

 

Du kannst nur dann in der Muttersprache deines Kindes reden, wenn dein Kind auch deine Körpersprache – insbesondere deine Mimik– sehen kann. Wenn sich dein Gesicht allerdings einen Meter über deinem kleinen Kind befindet, dann kann dein Kind gar nicht erkennen, was dein Gesichtsausdruck aussagt. Dein Kind hört zwar deine Worte, sieht aber nicht dein Gesicht. Das ist für dein Kind ungefähr so, als würdest du in der Sekundärsprache mit ihm reden, die es aber noch nicht richtig beherrscht.

Vielleicht hast du schon Bilder von der englischen Königsfamilie gesehen: Wenn Herzogin Kate oder Prinz William mit ihren Kindern reden, beugen sie ihre Knie, so dass sie auf Augenhöhe mit ihren Kindern reden. Das sieht ziemlich unbequem aus, vor allem, wenn man wie Kate einen Rock und Stöckelschuhe trägt. Doch nur so, auf Augenhöhe, ist ein Kind imstande, das Gesicht seiner Eltern zu lesen.

Diese Körpersprache der Augenhöhe hat zudem auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Wem würdest du lieber zuhören, von wem würdest du dich mehr wertgeschätzt und ernstgenommen fühlen: Von jemandem, der auf einem Stuhl steht und von oben herab zu dir redet? Oder jemandem, der auf Augenhöhe mit dir spricht?

Auch die deutsche Sprache verdeutlicht dies:

„Von oben herab“ wird gemeinhin als überheblich und andere geringschätzend verstanden.

„Auf Augenhöhe“ wird vom Duden als gleichwertig definiert. Es ist eine Körpersprache, die Wertschätzung, Respekt und Gleichberechtigung vermittelt.

 

  1. Sabotiere deine Worte nicht durch deine Körpersprache

 

Deine Körpersprache kann deine Worte unterstützen, aber sie kann deine Worte auch sabotieren.

Beispiel: Dein Kind läuft zu dir und erzählt dir etwas, während du auf einem Stuhl sitzt und Nachrichten auf deinem Smartphone liest. „Mama, hörst du mir zu?“, fragt es, verunsichert durch deine Körperhaltung. Ohne aufzublicken sagst du: „Natürlich höre ich zu, erzähle weiter.“

Unterstützt deine Körpersprache deine Worte – oder sabotiert sie sie?

Vermutlich Letzteres. Und vermutlich wird dein Kind aufgrund der offensichtlichen Diskrepanz so verunsichert sein, dass es nicht weiterreden möchte.

Ein anderes Beispiel: Dein Kind möchte nicht einschlafen und fragt: „Darf ich noch ein Hörspiel hören?“ Du weißt, wie spät es ist, und antwortest: „Nein“. Während du „Nein“ sagst, lächelst du dein Kind entschuldigend an. Deine Stimme ist leise, klingt etwas müde und unsicher. Was versteht dein Kind wohl? Es hört eine Mischung aus einem verbalen „Nein“ und einem nonverbalen „Ja“ bzw. „Vielleicht“. Also fragt es weiter und fängt vielleicht an zu  nörgeln und zu quengeln, weil es glaubt, dass du dir selbst nicht sicher mit deiner Antwort bist und dass es dich umstimmen kann. „Bitte!“ – „Nein!“ – „Nur ein Hörspiel!“ – „Nein!“ – „Nur eins!“…

Diese Diskussion hättest du dir vermutlich sparen können, wenn deine Körpersprache und dein Stimmklang deine Worte unterstützt hätten statt ihnen zu widersprechen.

Denke daran: Alleine schon der Klang deiner Stimme hat mit 38 Prozent einen wesentlich größeren Anteil daran, was dein Kind versteht, als der eigentliche Inhalt deiner Worte!

 

  1. Du kommunizierst ständig!

 

Nicht nur, wenn wir reden, kommunizieren wir. Sondern ständig!

Wir vermitteln unserem Kind durch unsere Körpersprache ständig Botschaften. Und unser Kind, das anders als wir noch ganz eng mit seiner Muttersprache, der nonverbalen Kommunikation verbunden ist, orientiert sich nach deinen nonverbalen Botschaften, die es anhand deiner Körperhaltung und deines Gesichtsausdrucks abliest.

 

Der Kommunikationsforscher Paul Watzlawick sagte:

„Es kann nicht nicht kommuniziert werden.“

 

Wir haben ständig eine Mimik oder Gestik.

Wir haben ständig eine Körpersprache.

Wenn wir uns dieser neu bewusst werden, so werden wir sie auch bei unseren Kindern auf achtsamere und unterstützendere Weise einsetzen.

Während unsere Kinder also lernen, sich die Sekundärsprache der Worte anzueignen, lernen wir Erwachsenen durch unsere Kinder wieder, uns unserer natürlichen Muttersprache bewusst zu werden und diese einzusetzen. Das ist nicht nur für die Kommunikation mit unseren Kindern hilfreich – sondern auch mit allen anderen Menschen. Denn jeder von uns versteht diese Muttersprache – auch wenn es uns meistens gar nicht bewusst ist!

 

„Körpersprache ist wie gesprochene Sprache. Aber sie kann nicht lügen.“

Samy Molcho

 

 

  1. Die Gefahren der digitalen Welt

 

Weißt du, was mit deinem Gesichtsausdruck passiert, wenn du auf dein Smartphone oder einen Computerbildschirm schaust?

Deine Mimik erstarrt. Sie ist größtenteils emotionslos. Und das verunsichert ein Kind. Nicht nur sucht es womöglich deinen Blickkontakt vergeblich – auch kann es aus deiner Mimik keine Schlüsse ziehen. Dies hat negative Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Bindung und kann sogar zu verschiedenen Störungen (Verhaltens-, Einschlaf- oder Entwicklungsstörungen) führen.

Wie wir eben gesehen haben, kommunizieren wir ständig: Ob wir gerade den Tisch decken, unser Baby wickeln, die Wäsche einräumen, auf einer Bank am Spielplatz sitzen oder unser Kind vom Kindergarten abholen: Wir haben eine Mimik und Gestik, mit der wir Freude, Entspannung, Zufriedenheit, Selbstsicherheit, innere Ausgeglichenheit und Ruhe ausdrücken können – aber auch Unsicherheit, Ängstlichkeit, Stress, Erschöpfung, Traurigkeit oder Wut.

Diese Kommunikation der Gefühle ohne Worte ist für unser Kind sehr wichtig. Wenn es weiß, wie es seiner Mutter oder seinem Vater geht, dann weiß es auch, woran es selbst ist:

Strahlen die Eltern eine innere Ruhe aus, kann auch das Kind entspannen.

Vermitteln die Eltern jedoch eine starke Angespanntheit, so wird auch das Kind vorsichtig oder unruhig: Gibt es irgendwo vielleicht eine Gefahr, die die Eltern wahrnehmen?

Lächeln die Eltern, kann auch das Kind lachen. Es weiß: Alles ist in Ordnung!

Doch schauen die Eltern besorgt, so wird auch das Kind nicht lächeln.

Was passiert jedoch, wenn die Eltern im Beisein des Kindes arbeiten oder auf das Smartphone schauen?

Die nonstop, nonverbale Kommunikation wird unterbrochen.

Die Gestik wendet sich vom Kind ab, die Mimik erstarrt und wird ausdruckslos.

Statt nonverbale Kommunikation herrscht nonverbale Stille.

Nun kann das Kind nicht mehr ablesen, wie es den Eltern geht.

Es weiß somit auch nicht, woran es selbst ist.

Das ist eine enorme Verunsicherung. Denn die Eltern sind zwar körperlich anwesend – aber ihre Körpersprache vermittelt Abwesenheit.

Lege daher ruhig das Smartphone oder Tablet zur Seite, wenn dein Kind in deiner Nähe ist. Soweit es dir möglich ist, nutze die Zeiten, in denen dein Kind schläft, für deine digitalen Aktivitäten. Setze Prioritäten. Und umgib dein Kind mit einer Körpersprache, die sein Selbstvertrauen stärkt, ihm Wertschätzung ausdrückt und die es ihm ermöglicht, sich sicher und geborgen zu fühlen. Lächle öfter; schau ihm beim Reden in die Augen, und zeig ihm dein Gesicht.

 

Lustiges Spiel: Körpersprache deuten

 

Wenn du dir mit deinem Kind ein lustiges Spiel daraus machen und Emotionen erraten möchtest, dann legen wir dir unsere Mimik-Tiere ans Herz. Die Mimik-Tiere sind Kuscheltiere, bei denen man über die Augenpartie verschiedene Gesichtsausdrücke kreieren kann. Wie sich dein Kind wohl heute fühlt? Ist es grimmig, weil du heute noch gar nicht mit ihm gespielt hast? Ist es überrascht, dass du ihm heute sein Lieblingsgericht gekocht hast? Oder vielleicht fühlt es sich nicht wohl und schaut dich mit großen, unsicheren Augen an? Wenn dein Kind die Sekundärsprache noch nicht beherrscht oder nicht benutzen mag, kann es mithilfe der Mimik-Tiere seine Gefühle über das Kuscheltier kommunizieren und daraus ein lustiges, lehrreiches Spiel machen.

Mimik-Tiere: Spiel, Spaß und Lernen.

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