Lache, lerne, staune wie ein Kind: Wie du dir das Glück deiner Kindheit zurückholen kannst

sigikid

Viele verbinden die Erinnerung an ihre Kindheit mit einem Gefühl der Unbeschwertheit und des Glücks, das die meisten Erwachsenen entweder längst vergessen haben oder aber sehnlichst vermissen. Doch ist die Erfahrung unbeschwerten Glücks im Erwachsenenalltag überhaupt möglich? Dafür haben wir kein Patentrezept, aber einige Anregungen, die wir dir mitgeben können, wenn du diese Reise zurück zu dir selbst wagen möchtest.

Kannst du dich noch an deine Kindheit erinnern?

Viele verbinden die Erinnerung an ihre Kindheit mit einem Gefühl der Unbeschwertheit und des Glücks: Als kleines Kind fiel es leicht, im jetzigen Moment zu leben. Dadurch erlebte man alles intensiver – Freude und Wut, sämtliche Gefühle wurden ungeheuchelt und unverdünnt erfahren. Man gab sich jedem Moment hingebungsvoll hin, ohne an später zu denken. Wenn man aß, aß man; wenn man spielte, spielte man; wenn man herumrannte, rannte man herum; wenn man weinte, weinte man; und wenn man lachte, lachte man. Dies und viele weitere Aspekte führten zu einem unbeschreiblichen Glücksgefühl, das die meisten Erwachsenen entweder längst vergessen haben oder aber sehnlichst vermissen.

 

„Bist du erst groß, dann siehst du ein, wie schön es war ein Kind zu sein.“

Zitat unbekannter Herkunft

 

Selbst diejenigen, die keine glückliche Kindheit haben, spüren doch diese Sehnsucht nach dem, was sich kaum mit Worten beschreiben lässt, und was die meisten Kinder zu besitzen scheinen, ohne sich dessen im Geringsten bewusst zu sein.

 

Ist die Erfahrung unbeschwerten Glücks im Erwachsenenalltag überhaupt möglich?

Sind diese Unbeschwertheit und das Glücksgefühl, das man als Kind erfahren hatte, möglich angesichts der Verpflichtungen, der Anforderungen, des Zeitdrucks und all der Sorgen des Lebens?

Am Anfang des Films „Playmobil: der Film“ gibt es ein interessantes Gespräch zwischen dem Jungen Charly und seiner älteren Schwester Marla, die seit dem Tod der Eltern die Verantwortung für ihren Bruder übernommen hatte:

Charly: „Was ist bloß aus dir geworden? Du hast von Abenteuern erzählt und wolltest die Welt sehen. Nichts ist furchtbarer als ein eintöniges, langweiliges Leben.“

Marla: „Aber ich bin erwachsen geworden. Und ich habe lernen müssen, dass das Leben kein Abenteuer ist.“

Charly: „Das hast du doch selber in der Hand. Aber du willst nichts dagegen tun.“

 

Hat man es tatsächlich selber in der Hand?

Marla hätte geantwortet: „Nein, ich habe zu viele Alltagspflichten. Das habe ich mir nicht ausgesucht.“ Aber sie kam nicht dazu, zu antworten. Im weiteren Filmverlauf wird sie von Begebenheiten überrascht, die weder gewollt noch angenehm waren – aber die Marla wieder dabei halfen, sich selbst zu finden.

Manchmal sind es grade die Umstände, die wir am wenigsten wollen, die uns doch am meisten dabei helfen, das wiederzufinden, was uns irgendwann verlorenging, und wieder zu werden, wer wir eigentlich sind.

 

„Schicksal, das wusste er jetzt, kam nicht von irgendwo her, es wuchs im eigenen Innern.“

Hermann Hesse

 

Eine Reise ohne Reiseführer, Karte oder Navigationsgerät

Die Rückkehr zurück zu uns selbst, zurück zur Unbeschwertheit und zum bedingungslosen inneren Glück, ist eine Reise.  Für diese Reise gibt es keine Landkarte, denn die Wegstrecke sieht bei jedem Menschen anders aus. Wir haben weder Reisegruppen, denen wir uns anschließen könnten, noch besitzen wir ein Navigationsgerät, welches uns sicher und ohne Umwege zum Ziel geleiten würde. Zwar trägt jeder Mensch in sich einen Kompass, der uns die Richtung weist, so wie auch jeder Zugvogel instinktiv seinen Weg findet. Anders als Zugvögel haben wir Menschen jedoch es verlernt, diesen intuitiven inneren Kompass zu vernehmen. Ja, schlimmer noch: Uns ist nicht einmal bewusst, dass er überhaupt existiert. In unserem Kopf hören wir stattdessen die tausend Stimmen wohlgemeinter Ratschläge anderer, die uns unzählige verschiedene Richtungen vorschlagen.

Wir können dir daher auch keine detaillierte Vorgehensweise nennen, wie du das Glück, die Leichtigkeit und Unbeschwertheit wieder- (oder zum ersten Mal) findest. Was wir dir jedoch für deinen Weg mitgeben können, wenn du diese Reise wagen möchtest, sind ein paar Anregungen.

 

1. Lerne von den Kindern

In vielen Dingen sind wir Erwachsenen unseren Kindern wichtige Vorbilder und Coaches. Aber gerade in Sachen Unbeschwertheit sind wir die Schüler, die von Kindern können.

Nimm dir an jedem Morgen neu vor, an diesem Tag mindestens eine Sache von deinem Kind oder deinen Kindern zu lernen:

 

Lass dir von Kinderaugen beibringen, wie man die Welt sieht.

Lass dir beibringen, wie der Alltag zum Abenteuer wird.

Lass dir beibringen, wie man spielt.

Lass dir beibringen, wie man Kritzelkratzelbilder malt.

Lass dir beibringen, wie man auf dem Bett einen Purzelbaum schlägt.

Lass dir beibringen, wie man in Regenpfützen hüpft…

 

Woran scheitert eigentlich der ewig junge Wunsch aller Erwachsen, sich ihre „Kindlichkeit“ zu bewahren? Oft genug daran, dass sie nicht mal gemeinsam mit ihren Kindern durch die Pfützen hüpfen können.
Peter E. Schumacher

 

2. Entdecke deine Fähigkeit, zu staunen

Ein Attribut, welches man glücklichen Kindern zuordnet, ist ihre Fähigkeit, zu staunen. Kannst du dich z.B. noch an die Weihnachtsfeste aus deiner Kindheit zurückerinnern?

Das „Staunenkönnen“ ist im Rezept des inneren Glücks eine ganz wichtige Zutat. Kinder können sogar über ganz belanglose Dinge staunen: Eine Pusteblume am Wegrand. Ein glänzender Käfer. Ein Rettungshubschrauber am Himmel. Aufgrund dieses „Staunenkönnens“ ist ihr Alltag voller Überraschungen und Wunder. Es gibt keine Eintönigkeit, keine Monotonie. Jeder Moment ist anders und lebenswert, voller wundersamer Entdeckungen.

 

„Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle“.

Albert Einstein

 

Und genau das können Kinder: Sie sehen das Geheimnisvolle im Vertrauten, sie sehen das Wundervolle im Alltäglichen, sie sehen das Magische im Gewöhnlichen.

Wir Erwachsene hingegen staunen sehr selten. Wenn wir staunen, dann meist nur noch in einem besonders schönen Urlaubsmoment, wenn wir ein Konzert besuchen, oder ähnliche außergewöhnliche Erlebnisse haben. Unser normales, alltägliches Leben erscheint uns dagegen vorhersehbar und ohne jegliche Faszination. Schon im 4. Jahrhundert wurde dies von Augustinus von Hippo beobachtet:

 

Die Menschen reisen in fremde Länder und staunen über die Höhe der Berge, die Gewalt der Meereswellen, die Länge der Flüsse, die Weite des Ozeans, das Wandern der Sterne; aber sie gehen ohne Staunen aneinander vorüber.

Augustinus von Hippo

 

Wenn wir bereit sind, von Kindern zu lernen, entdecken wir: Auch unser Alltag ist in Wahrheit voller Momente, über die wir staunen können. Allein der erste Sonnenstrahl am Morgen, der einen wachküsst, oder der Duft des morgendlichen Kaffees würde schon ausreichen, um unser Herz mit Freude zu beflügeln – wenn wir es nicht für selbstverständlich nehmen würden.

 

Es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eines.

Albert Einstein

 

Auf welche Art wir unser Leben leben, ist zunächst eine Entscheidung.

Eine wichtige Frage stellt sich dabei: Wie schaffen es Kinder eigentlich, im Vertrauten das Geheimnisvolle, im Alltäglichen das Wundervolle und im Gewöhnlichen das Ungewöhnliche zu entdecken?

 

3. Lebe mehr in deiner Wahrnehmung

Wenn ein Baby geboren wird, dann denkt es noch nicht viel über das nach, was es erfährt und was ihm begegnet. Ein Baby nimmt vor allem wahr. Es ist sich vollkommen seiner Wahrnehmung, weniger aber seinen Gedanken, bewusst.

Bei uns Erwachsenen ist es meist andersrum: Wir sind uns vollkommen und ständig unserer Gedanken bewusst, aber wenig unserer Wahrnehmung.

Diese Wahrnehmung ist ein wichtiger Grund, weshalb Kinder auch über Alltägliches staunen können: Sie nehmen die Dinge für das wahr, was sie sind, statt sich mit dem zufriedenzustellen, was sie über die Dinge denken.

Was damit gemeint ist:

Wenn man als Erwachsener an einem Gänseblümchen vorbeiläuft, denkt man „Gänseblümchen“. Man hat ein Wort im Kopf, einen verallgemeinernden Gedanken, stellt sich damit zufrieden, und das Staunen bleibt aus. Man hat keinen Blick mehr für die Besonderheit und Einzigartigkeit dieser Blume und stellt eine gewisse Distanz zur Blume her.

Ein Kind „denkt“ nicht an die Blume, sondern nimmt sie unmittelbar in ihrer Gesamtheit wahr: die zarten weißen Blütenblätter, der strahlend gelbe Kreis in der Mitte, wie sich die Blume in der Hand anfühlt… Das Kind analysiert nicht, was es wahrnimmt. Stattdessen ist es offen, sich für das Wunder dieser Blume in Staunen versetzen zu lassen. Oder das Wunder einer Matschepfütze. Oder das Wunder eines glitzernden Steins.

Je jünger ein Kind ist, desto offensichtlicher wird es. Wenn du schon mal beobachtet hast, wie aufmerksam ein kleines Kind mit einem einfachen Becher und etwas Wasser spielt, wie fasziniert ein Kind einer Feuerwanze zuschauen kann, oder wie glücklich ein Baby mit einem einfachen Haushaltsgegenstand ist, den es in der Hand ertastet und erspürt, dann weißt du, was wir meinen. Wenn wir wahrnehmen, ist das Leben voller Überraschungen und Wunder, denn es findet eine ständige Stimulierung der 5 Sinne statt. Wir riechen, hören, schmecken, sehen und fühlen das Leben, und erfahren darin unsere eigene Lebendigkeit.

 

4. Im Hier und Jetzt leben

Das Wahrnehmen hat noch einen anderen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Denken:

Gedanken lenken einen oft von der Gegenwart ab, denn viele Gedanken haben mit später oder vorhin zu tun, mit der Zukunft oder Gegenwart. Das Wahrnehmen funktioniert jedoch nur im gegenwärtigen Moment. Je mehr wir daher wieder anfangen, wahrzunehmen, desto mehr beginnen wir, achtsam und im vollen Bewusstsein des gegenwärtigen Moments zu leben.

Wahrnehmung kann dir somit auch helfen, wieder zur inneren Ruhe zu gelangen.

Statt einfach von einem Ziel deiner To-Do-Liste zum nächsten zu hetzen, entspanne dich und frag dich: „Was ist jetzt gerade? Was nehme ich wahr?“

Je mehr du in der Gegenwart lebst, desto mehr kommst du auch wieder in Kontakt mit dir Selbst.  Und das ist gut so, denn Glück, das kann man nirgendwo finden außer in sich selbst. Könnte Reichtum und Luxus glücklich machen, dann gäbe es nicht so viele Stars, die Drogen nehmen, die von einer kaputten Beziehung zur nächsten schliddern, oder an deren Augen man ihr Unglücklichsein ansehen kann.

Jim Carrey sagte einmal:

 

Ich wünschte, jeder würde reich und berühmt werden. So könnten alle erkennen, dass das nicht die Lösung ist.

Jim Carrey

 

Die Lösung liegt einzig in dir.

 

5. Innerlich werden wie ein Kind

Wir können das ersehnte Glück vermutlich nicht finden, wenn wir nicht innerlich wieder ein Stück weit werden wie ein Kind. Ein Kind ist sich voll und ganz seiner Wahrnehmung bewusst. Das führt nicht nur dazu, dass es im Hier und Jetzt leben kann und somit stets mit sich selbst verbunden ist und jeden Moment ungeteilt genießen kann; das Leben in der Gegenwart führt auch dazu, dass es Sorgenfreiheit und Unbeschwertheit erlebt.

 

„Ein wahrhaft großer Mensch verliert nie die Einfachheit eines Kindes.“

Chinesisches Sprichwort

 

Hast du schon mal gesehen, wie ein Kind sich fragt: „Was werde ich in 2 Stunden essen? Oh nein, dann werde ich bestimmt Hunger bekommen. Was ist, wenn mir das Essen nicht schmeckt? Hunger kann auch Bauchweh verursachen. Oh nein, das will ich nicht!“. Ein Kind sorgt sich nicht, denn Sorgen haben meistens mit der nahen oder fernen Zukunft zu tun, selten aber mit dem unmittelbaren jetzigen Moment.

 

6. Die richtige Balance

Es heißt natürlich nicht, dass wir nicht an später denken sollen, nichts planen dürften, oder gedankenlos und naiv durchs Leben treiben sollen. Nein. Gedanken sind ein enorm wichtiges, wertvolles und nützliches Werkzeug. Die Frage ist nur, ob wir das Werkzeug steuern, oder ob das Werkzeug uns steuert? Benutzen wir unsere Gedanken, oder sind wir ein Opfer unserer Gedanken?

Schalte deine Gedanken nicht aus, aber verwende sie weise.

Wenn ein Baby geboren wird, denkt es noch nicht viel nach; es nimmt dafür alles intensiv wahr. Je älter und reifer es wird, desto mehr gedankliche Fähigkeiten entwickelt ein Kind. Der Idealzustand wäre eine gesunde Balance zwischen Denken und Wahrnehmen. Wir Erwachsenen haben jedoch meist die Tendenz, zu viel zu denken und uns zu sorgen und aus dem inneren Gleichgewicht zu geraten. Das gilt es wiederzufinden. Stück für Stück, Schritt für Schritt.

 

 

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