Hygge als Lebenseinstellung: Der dänische Weg zum kuscheligen Babyglück

Verena

Die Dänen sind nicht nur das glücklichste Volk, sie haben auch die wenigsten Schrei-Babys. Kuschelige Nähe, „Hygge“ genannt, ist ein Grund dafür. Aber es gibt noch mehr, das wir von dänischen Eltern lernen können!

 

Irgendetwas machen die Dänen besonders richtig. Der Welt-Glücksreport kommt immer wieder zu dem Ergebnis: Die Dänen gehören zu den glücklichsten Menschen. Und nicht nur das. Sie haben auch die entspanntesten Kinder. Forscher fanden heraus, dass dänische Babys im weltweiten Vergleich am wenigsten schreien. In einer Meta-Studie hatten sie das Auftreten der gefürchteten Drei-Monats-Koliken in verschiedenen Ländern untersucht. Dänemark hatte eindeutig die wenigsten Schrei-Babys. Woran liegt das?

Die dänische Psychotherapeutin und Familienberaterin Iben Dissing Sandahl hat ein Buch geschrieben, das vielleicht eine Erklärung bietet: „Warum dänische Kinder glücklicher und ausgeglichener sind.“ Zusammen mit Co-Autorin Jessica Joelle Alexander ist sie überzeugt, dass die Erziehung der Kinder der Schlüssel zum Glück der Dänen ist. Und kuscheliges Beisammensein, das sogenannte „hygge“, spielt dabei eine besonders große Rolle. Im Buch analysieren die Autorinnen die Bestandteile von GLÜCK. Die Anfangsbuchstaben stehen für die Zutaten zum Erfolgsrezept für das Glück dänischer Kinder:

 

G wie gutes Spiel,

Kinder dürfen frei spielen, ohne Programm oder Lernabsicht. Beim freien Spiel erforschen sie die Welt und finden Selbstvertrauen.

L wie Lernorientierung,

Dänische Eltern überhäufen ihre Kinder nicht reflexartig mit Lob und Komplimenten. Aber sie zeigen ihre Wertschätzung, wenn die Kinder sich anstrengen oder engagieren. Die Botschaft: Nicht jeder kann der Beste sein, aber sein Bestes geben.

U wie Umdeuten,

Eltern helfen dem Kind, den Fokus auf die Dinge zu lenken, die es schon kann, anstatt auf das, was nicht gelingt. Sie richten den Blick also mehr auf Positives als auf Negatives aus.

E wie Empathie,

Kinder sollen lernen, ihre Gefühle zu benennen und respektvoll miteinander umzugehen. Die einfache, aber wirkungsvolle Anleitung lautet: „Üben, andere zu verstehen, anstatt sie zu verurteilen.“

C wie Coolbleiben

Eltern vermeiden Machtkämpfe und üben sich in der Haltung: Es gibt keine Schuld zu verteilen. Jeder übernimmt Verantwortung für sich selbst und das eigene Wohlbefinden.

K wie Kuscheln

„Kuschelige Nähe“, auf dänisch Hygge genannt, steht für ein ganz besonderes Lebensgefühl. Es geht darum, gemeinsam den Augenblick zu genießen, den Stress außen vor zu lassen, die Smartphones auszuschalten und es sich richtig gemütlich zu machen. Ob beim gemeinsamen Spielen, Singen oder einfach Beisammensein – Hauptsache das WIR steht im Vordergrund.

 

Für Babys ist gerade diese hyggelige Haltung ein wichtiges Lebenselixier. „Wir glauben, dass unsere Kinder ‚langsam‘ aufwachsen sollen. Das heißt, mit möglichst wenig Einmischung der Eltern, mit viel freiem Spiel, dem Gefühl von „Hygge“ und einer starken Bindung zu den Eltern“, sagt die Autorin Iben Dissing Sandahl in einem Interview. „Hygge ist Teil unserer Identität – es ist eine gute Möglichkeit, Stress, Probleme, Verurteilungen und Gejammer für eine gewisse Zeit außen vor zu lassen und die Zeit des Zusammenseins zu genießen. Kinder lieben es, denn sie genießen eine eng verbundene Gemeinschaft mit ihren Familien, die nicht beeinträchtigt wird von Negativem.“

Das können auch wir in unserem Leben umsetzen: Mehr Hygge im Alltag! Schafft bewusst Momente, in denen ihr euch mit eurer ganzen Aufmerksamkeit euren Kindern widmet. Lasst sie eure Liebe und Nähe spüren und richtet euch auf das aus, was ihr Gutes habt im Leben. Daraus schöpfen alle Kraft. „Sich verbunden zu fühlen, gibt unserem Leben eine Bedeutung und einen Sinn“, sagt Iben. „Wenn wir wissen, dass wir jemandem wichtig sind, dass wir gesehen, gehört und verstanden werden, dann gibt uns das ein Gefühl des Glücks.“