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Durchschlafen: Ganz ohne Druck und im eigenen Tempo

Julia

Experten, Kinderärzte, Ratgeber und jede Menge Ratschläge zum Thema. Doch was, wenn das Kind dennoch nicht durchschlafen möchte? Wir sprachen mit Maja, einer zweifachen Mutter, und welche Tipps und Erfahrungen sie an Eltern weitergeben kann.

Normalerweise werden Interviews mit sogenannten Experten veröffentlicht: Kinderärzte, Sozialpädagogen, Buchautoren, Blogger oder sonstige Fachpersonen. Wir wollen das in unserem Blog mal umkehren: Wir interviewen keine Person, die uns darüber erzählt, wie kleine Kinder dazu gebracht werden, wunderbar durchzuschlafen. Solche Interviews sind zwar sehr nützlich und hilfreich – jedoch umso frustrierender bei Eltern, deren Kinder trotz bestem Bemühen NICHT durchschlafen. Daher kehren wir das Interview um und befragen im heutigen Beitrag eine Mutter, deren Kinder NICHT durchschliefen. Wie kam sie damit klar? Wann besserte sich das Schlafverhalten ihrer Kinder? Und welche Tipps und Erfahrungen kann sie an Eltern weitergeben?

 

Hallo Maja! Schön, dass Du Dir für unser Interview zeitgenommen hast – zu einem Thema, was ganz vielen Eltern auf der Seele brennt. Du hast zwei Jungs, die jetzt 4 und 6,5 Jahre alt sind. Waren deine Kinder gute Schläfer?

Nein, alles andere als das. Bei beiden war es identisch: sie schliefen nie länger als 2 Stunden am Stück. In einer normalen Nacht wachte ich also mindestens alle 2 Stunden auf – doch es gab auch viele Nächte, da wurde ich alle 30 Minuten geweckt, die ganze Nacht durch.


Das klingt nach wenig Schlaf für dich.

Ja. Ich habe mich tatsächlich tagsüber gefühlt wie ein wandelnder Zombie…


Schlafen deine Jungs immer noch so schlecht?

Nein. Und auch das war bei beiden identisch: Mit jeweils ungefähr 2 Jahren fingen sie an, die Nacht durchzuschlafen. Jetzt schlafen sie nachts mindestens 10 Stunden am Stück.


Hast du deine Kinder gestillt, als sie klein waren?

Ja. Das war vermutlich ein Punkt, warum sie so oft nachts aufwachten. Beide haben Flaschennahrung – und auch Schnuller – verweigert. Ich probierte es häufig, aber sie weigerten sich vehement. Aufzwingen wollte ich es dann auch nicht.


Waren deine Kinder nachts vielleicht hungrig?

Ich denke nicht. Denn selbst, als ich mit einem halben Jahr Brei zufütterte, änderte sich das Schlafverhalten erstmal nicht.


Du hast bestimmt einiges versucht, um deine Kinder zum besseren Schlafen zu helfen, oder?

Natürlich – ich las Ratgeber zu diesem Thema, befragte andere Mütter, und hatte sogar Gespräche mit einer sogenannten Schlafexpertin in meiner Stadt. Auch Bachblüten und Homöopathie probierte ich aus. Da gab es aber nicht wirklich etwas, was mir eindeutig geholfen hätte. Dieses Schlaftraining „Kind über immer länger werdende Zeitabstände schreien lassen, damit es einschlafen lernt“, wollte ich nicht umsetzen. Ich habe zwar Mütter getroffen, denen das geholfen hat. Aber ich brachte das einfach nicht übers Herz. Ich wollte nicht, dass meine Kinder aus purer Resignation einschlafen oder das Gefühl vermittelt bekommen, sie würden nicht gehört und beachtet werden.


Gab es auch Dinge, die dir geholfen haben?

Ja. Zum Beispiel hatte das Stillen auch einen Vorteil – es gibt tatsächlich eine enge Bindung mit dem Kind. Ich wurde nie von meinem Baby durch Schreien geweckt. Egal wie oft mein Baby aufwachte, ich wachte immer simultan mit ihm auf. Meine Schlafphasen hatten sich dem Kind hundertprozentig angepasst. Das war ein Phänomen, über das ich selbst überrascht war. Ich war zwar sehr müde, da es viele Schlafunterbrechungen gab. Aber es war sicherlich angenehmer und erträglicher, als wenn man von Kindergeschrei aus dem Tiefschlaf geweckt wird.

Was die Erschöpfung angeht, so half mir eine Mutter-Kind-Kur. Auch wenn meine Jungs dort noch nicht durchschliefen, so konnte ich viele andere Lasten, die noch auf meinen Schultern waren, ablegen, auftanken und Erholung finden.


Lernten deine Kinder dann von alleine durchzuschlafen? Oder war das viele nächtliche Aufwachen zu einer Gewohnheit geworden?

Beide Jungs fingen von selbst an durchzuschlafen. Bei beiden begann es, als sie ungefähr zwei Jahre alt waren. Da merkte ich deutliche Verbesserungen – sie wachten nur noch drei Mal kurz auf, und schliefen von selbst wieder ein. Und wenig später schliefen beide dann die ganze Nacht durch.


Was würdest du anderen Eltern zum Thema Baby- oder Kinderschlaf weitergeben?

Drei Sachen fallen mir da spontan ein.


Erstens: Sich nicht mit anderen vergleichen
Jedes Kind ist anders. Eine gute Freundin von mir hatte Mädchen in demselben Alter wie meine Jungs. Sie stillte ihre Kinder voll, wie ich auch. Doch ihre Mädchen schliefen schon kurz nach der Geburt fast ohne Unterbrechung durch. Wenn man sich vergleicht, fragt man sich schnell „Was mache ich falsch?“ Aber Vergleiche helfen niemandem weiter.

Zweitens: Sich Unterstützung holen
Ein afrikanisches Sprichwort sagt „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“. Ausschlaggebend dafür, wie erschöpft man sich als Mutter eines Säuglings fühlt, ist nicht nur das Schlafverhalten des eigenen Kindes, sondern auch das Maß der Unterstützung durch andere. Wenn ein Vater beispielsweise jeden Tag mit den Kindern einen Spaziergang machen kann, damit sich die Mutter eine halbe Stunde hinlegen kann – dann ist das eine große Hilfe. Oder man holt sich für die ersten paar Monate nach der Geburt eines Geschwisterkindes eine Putzfrau, die einmal in der Woche beim Nötigsten hilft. Manche haben auch Großeltern, die einen unterstützen. Hilfe und Unterstützung ist wichtig. Sind die Nächte schwer, so sollte man schauen, dass dafür die Tage ein bisschen leichter gemacht werden.

Drittens: Gelassen bleiben
Ein weiteres Sprichwort sagt „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“. Jeder weiß, dass es nichts bringt, an Grashalmen, Blumen oder jungen Bäumen zu ziehen. Alles wächst in seinem eigenen Tempo. Doch gerade bei Kindern scheinen wir das vergessen zu haben. Es gibt einen unausgesprochenen Druck: „Was, dein Kind schläft noch nicht durch? Da musst du jetzt aber was unternehmen!“ Das ist nicht nur beim Thema Schlafen so, sondern bei vielen anderen Gebieten. Es ist, als würden wir unseren Kindern nicht ihr eigenes Tempo zugestehen.

Meine Versuche, an den Grashalmen zu ziehen, d.h. ein Schlaftraining und nächtliches Abstillen durchzuziehen, sind ziemlich schnell daran gescheitert, dass ich es nicht übers Herz brachte, meine Kinder längere Zeit schreien zu lassen. Als ich jedoch anfing, locker zu werden, mich nicht unter Druck zu setzen, und einfach zu vertrauen, dass meine Kinder zu ihrer Zeit durchschlafen würden, wurde es für mich einfacher. Meine Kinder fingen tatsächlich zu ihrer Zeit an, durchzuschlafen. Sie stillten sich auch von selbst ab, zu ihrer Zeit. Sie wurden auch zu ihrer Zeit windelfrei. Sie fingen zu ihrer Zeit an, Figuren und Zahlen statt Krixelkraxel zu malen. Sie fingen zu ihrer Zeit an, Sätze zu sprechen. Wenn der Zeitpunkt da ist, dann geschehen die Dinge einfach und auf natürliche Weise.

Ich würde andere Eltern ermutigen, sich keinen Druck machen zu lassen. Jede Pflanze wächst in ihrem Tempo, jedes Tierbaby entwickelt sich in seinem Tempo. Wir sollten auch unseren Kindern ihr Tempo zugestehen und aufhören, ungeduldig an den Grashalmen zu ziehen. Dann wären auch wir Eltern viel gelassener. Und wenn wir gelassen sind, dann spüren das auch unsere Kinder!

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Möchtest du verlässliche Informationen, solltest du einen kompetenten Experten fragen. Einen, der dir nicht nur die Theorie, sondern auch selbst erlebte First-Hand-Berichte mitteilen kann. Einen, der aus seiner langjährigen Berufserfahrung wertvolle Weisheit erlangt hat. Genau einen solchen Experten haben wir für unser heutiges Interview herangezogen…

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